Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337927
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Lection. 
Zweiundzwanzigste 
 Landschaft. 
dürfen sie nicht die ganze Kraft der Sonnenstrahlen, wie auf den 
Vordergründen, zeigen. Da sind nun einige derselben gelblich, 
andere nanking- oder fast fleischfarbig, andere rosig, und andere 
von Orange gefarbt etc.; dies wechselt unendlich ab nach dem 
Zustand des Himmels und der Atmosphäre, dem Stande der 
Sonne, der Art des Bodens oder der Früchte, die auf demselben 
wachsen, und endlich nach der Jahreszeit, und besonders je nach 
dem Lande, welches den Ort der Scene darstellt. Ausser diesen 
allgemeinen Grundsätzen kann man keine weiteren Regeln geben, 
man muss die Natur treu nachahmen, vorzüglich den Ton der 
Farbe; und wenn man nach vielen, nach der Natur selbst ge- 
malten Studien kein feiner Colorist wird, das heisst, ein wahrer, 
so ist man eben für diesen Theil nicht mit dem nöthigen Talent 
versehen, welcher, nach meiner Ueberzeugung, in der Landschaft 
das Nothwendigste ist. 
 Wenn man anfängt, die Landschaft nach der Natur zu stu- 
diren, so muss man blos Umrisse in Linien mit Bleistift machen, 
die man bald hier, bald dort, um die Schattenmassen anzudeuten, 
schraffirt, damit man sich nicht in den Linien verirrt und von 
der Wirkung eine fiiichtige Idee andeutet. Diese schwachen und 
nur wenig angedeuteten Schattirungen zerstören die Umrisse und 
einzelnen Züge nicht und bezeichnen die verschiedenen Schatten- 
massen, die sonst in kurzer Zeit unseren eigenen Augen ent- 
schwinden würden. 
Um die verschiedenen Baumarten (wenigstens die, welche 
nicht zu fern sind) oharakterisiren zu können, muss man die For- 
men und eigenthümlichen Biegungen ihrer Aeste gut aufzufassen 
sich bemühen, was hier fast dasselbe ist, wie die Charakterisirung 
einiger Stoffe durch die eigenthümliche Form ihrer Falten; mithin 
erkennt man in der Ferne die Arten der Bäume an ihrem Wuchs 
und ihrem Haupteindruck überhaupt. An der Natur der Verzwei- 
gung und an dem eigenthiimliehen Wurf derselben besser noch, 
als an der Farbe und an der Form ihrer Blätter muss man sie 
in den Vordergründen eines Bildes erkennen können. 
Indessen ist es durchaus nicht unnütz, besonders bei Bäumen, 
die dem Auge nahe sind, Blätter und Grün derselben so genau 
als möglich nachzuahmen. Es kommt nicht darauf an, die Form
        

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