Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337859
Gewänder. 
Flatternde 
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in einem richtigeren Tone angegeben hatte, der Beschauer in dem 
Gemälde nichts weiter bemerkt haben würde, als was er täglich in 
der Natur selbst sieht? Was mich betrifft, so gestehe ich, dass 
ich Bemerkungen aus dem Munde nicht Kimstverstandiger niemals 
verwerfe; die Kraft der Wahrheit spricht aus ihnen, indem sie ihre 
Unwissenheit wohl kennen, so wagen sie sich nicht gern an Kri- 
tiken, wegen welcher sie von den Umstehenden ausgelacht würden, 
also nur, weil eine Sache sie unangenehm überrascht, lassen sie 
ihren Gedanken ganz unschuldig freien Lauf. 
Dagegen habe ich zu den Bemerkungen der Halbkenner viel 
weniger Vertrauen, sie brennen allgemein vor Begierde, ihre ober- 
iiaohlichen Kenntnisse auszukramen, sie urtheilen oder verurtheilen 
in den Tag hinein (diejenigen ausgenommen, die ein feines Gefühl 
und sehr gesundes Urtheil haben); sie kramen blos eine Samm- 
lung von Gemeinplätzen und technischen Ausdrücken aus, womit 
ihr Gedaohtniss angefüllt ist. Dieser wissenschaftliche Prunk, der 
die Stelle des wahren Wissens vertritt, erstickt in ihnen den vor- 
urtheilsfreien Geist, der ihnen gewiss nützlicher sein würde, wenn 
sie sich nicht anmassten, als Kenner gelten zu wollen. 
Von 
den 
flatternden und von der 
Gewändern. 
Luft 
bewegten 
Fliegende Gewänder kann man nicht nach der Natur copiren. 
Man muss  viele Beobachtungen angestellt haben und schon ein 
guter Praktiker sein, wenn man dergleichen zu unternehmen wagen 
will. Ich weiss sehr wohl, dass einige Künstler sie an Drähten 
aufhängen, allein dieses Verfahren selbst setzt sehr viele Beobach- 
tungen und Geschmack voraus. Mithin rathe ich den Anfängern, 
bei ihren Spaziergängen die biegsamen Umrisse der Endigungen 
der Gewänder genau zu beobachten, wenn sie vom Winde bewegt 
werden, es sei nun, dass eine Person durch schnellen Gang und 
heftige Bewegung des Körpers diese Umrisse hervorbringt, oder 
dass der Wind die alleinige Ursache davon ist. Uebrigens ist es 
nicht gebräuchlich, fliegende Gewänder in einem Portrait anzu- 
bringen, diese Mode hat aufgehört. Nichts desto weniger ist es 
doch bei einem Portrait in ganzer Figur mit gutem Erfolg anzu- 
bringen, wie man sich  davon durch die besten neueren Maler
        

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