Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337847
340 
Lection. 
Zwanzigste 
Kleidung. 
Wenn man beim Malen des Fleisches diesen Grundsatz be- 
folgen wollte, so bedürfte man nur einer stufenweisen Folge von 
Fleischtönen, von der hellsten bis zur ziegelrothen und noch röther, 
so dass man die Fleischfarbe zuletzt so roth wie gebrannten Töpfer- 
thon machen würde. Dies erinnert uns an das, was ich schon 
öfters erwähnt, nämlich, dass die Schatten aller nur denkbaren 
Gegenstände den grössten Theil der Localfarbe eben dieser Ge- 
genstände verlieren, um die von denjenigen Körpern zu entlehnen, 
die ihnen durch Zurückstrahlen einen schwachen Schein mitthei- 
len, oder von der allgemeinen Helligkeit, womit alle Lufttheilchen 
angefüllt sind. Man muss also mit allem Fleiss nicht allein den 
Werth 1) dieser Schatten in Absicht auf die beleuchtete Parthie 
studiren und vergleichen, sondern auch noch den von anderen 
Gegenständen erborgten Ton, ohne welchen man Alles falsch machen 
w_ürde; denn alle Farben würden schmutzig und die Schatten als 
Flecke erscheinen, anstatt dass sie als Gegenstände erscheinen 
sollten, die blos des gerade einfallenden Tageslichts mehr oder 
weniger beraubt sind. Warum hat man aber niemals von einem 
Kinde oder von einer ganz unwissenden Person gehört, dass ihm 
die Schatten des Gesichts oder eines anderen ähnlichen Gegen- 
standes in der Natur als schmutzige Flecke erscheinen, obgleich 
diese Schatten oft aus Tönen bestehen, "die aus dem Localton gar 
nicht zusammengesetzt sind? Deshalb, weil das Ganze "wahr, har- 
monisch und mit den unabänderlichen Gesetzen der Natur überein- 
stimmend ist. Nach diesen Bemerkungen ist es eben so lächerlich 
nicht, zu hören,-wenn z. B. ein Unwissender in der Malerkunst sagt: 
warum hat man der Person in diesem Portrait Taback unter die 
Nase gegeben, da sie keinen schnupft? Junge Künstler pflegen 
dergleichen Kritiken mit Achselzucken zu belächeln. Ich glaube, 
sie thun sehr unrecht und würden viel klüger handeln, wenn sie 
diese freimüthige Bemerkung einer vorurtheilsüeien Person be- 
nutzten, die gerade das zu erkennen giebt, was sie empfindet. 
Ist es nicht einleuchtend, dass, wenn der Maler diesen Schatten 
1) Werth bedeutet hier den Grad der Stärke eines Schattens in Beziehung 
auf die erhellten Parthieen eben desselben Gegenstandes, gleichviel, ob von 
einer Zeichnung, einem Kupferstich oder einer Malerei die Rede ist.
        

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