Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337835
Schatten und Reflexe der Gewänder. 
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ist, zurückwirft; allein in diesem Falle ist der Ton dieses Reflexes 
nicht sehr hell, sondern vielmehr hervorstechend in der Farbe. 
Z. B. also, wenn zwei grosse runde Falten einer rothen, rosa- 
farbenen, gelben, blauen, grünen oder irgend einer Farbe nahe 
an einander liegen, und eine dieser Falten ein lebhaftes Licht 
erhält, dem Schatten der anderen Falte gegenüber, so ver- 
doppelt der dadurch entstandene Reflex gewissermassen die In- 
tensität der Farbe, dergestalt, dass sie auf dieser Stelle viel 
tiefer erscheint, ohne durch den Schatten besonders merklich 
trüber zu werden. Junge Künstler, wenn sie darauf achten 
wollen, werden dieses in vielen Fallen bestätigt finden. Eine 
goldene, in ihrem Charnier halb geöHnete Dose zeigt in der 
Farbe, pwelche die beiden Flachen gegenseitig auf einander zu- 
rückwerfen, eine viel röthlichere Färbung, als das Metall im 
vollen Lichte hat. Die Goldfarbe wird durch den Wiederschein 
doppelt colorirt, oder,'wenn man will, durch den Wiederschein, 
welchen die erleuchtete Parthie auf die nicht erleuchtete wirft. 
Dieser Wiederschein findet allemal da Statt, wo zwei Parthieen 
eines und eben desselben Körpers einander sehr nahe sind, be- 
sonders wenn diese Körper eben, glatt, polirt und von heller 
Farbe sind. Man bemerkt dies sogar in den Fleischparthieen, 
und fast immer wird ein sehr hell beleuchteter weiblicher Busen 
eine doppelt vertiefte Fleischfarbe unter das Kinn zurückwerfen, 
immer aber weniger auffallend als bei zwei polirten Metallen, 
oder bei zwei glänzenden Stoffen, wie Atlas, Taifet etc. In 
weissen Draperieen iindet man eine fast ähnliche Wirkung: der 
Reiiex nämlich, anstatt grauer oder brauner zu sein, nimmt einen 
silberfarbigen Ton an, oder auch bisweilen ein leichtes helles Gelb, 
je nach der Eigenschaft des Stoffes und der Nahe der Parthieen, 
welche diese Reflexe verursachen. 
Allein mit Ausnahme der jetzt angegebenen Falle muss die 
Farbe der Schatten allezeit weniger lebhaft sein, als die Local- 
farbe des Gegenstandes. Man muss den Ton derselben studiren 
und nicht die illuminirten Bilderbogen nachahmen, welche, wenn 
Sie die Schattenparthieen eines rosenfarbenen Stoffes wiedergeben 
wollen, die Rosenfarbe noch einmal so stark zeigen, so dass dadurch 
die Schatten viel lebhafter und glänzender werden als die Lichter. 
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