Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337820
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Lection. 
Zwanzigste 
Kleidung. 
damit, dass man es so gesehen habe, denn es hing ja von uns 
ab, das Beste zu wählen. Die Natur ist übrigens nicht unbe- 
weglich, sie stellt sich uns in einem Augenblick unter tausend 
Gesichtspunkten dar, so dass wir bei ihrem Anblick nicht ermü- 
det werden, das Gemälde dagegen bleibt immer dasselbe, mithin 
muss der Geschmack bei allen dargestellten Gegenständen die 
Richtschnur abgeben. Aus eben dem Grunde muss 'man einige 
Verkürzungen vermeiden, die eine üble Wirkung machen, so 
schön gezeichnet und gemalt sie auch sein mögen. Man kann 
sie richtig nachgeahmt haben, allein in der Natur lässt sich das 
Widersprechende erklären; blos eine kleine Bewegung des Kopfes 
nach rechts oder links verändert den Anblick davon, während 
man in einer Malerei genöthigt ist, eine verkrüppelt und unan- 
genehm erscheinende Sache beständig aus einem und demselben 
Gesichtspunkte zu betrachten. 
Man muss sich daher nicht allein von allen den Dingen frei 
machen, die zweifelhaft oder unangenehm scheinen können, son- 
dern auch unbedeutende Details und den Wirrwarr von Fal- 
ten ohne Motiv und Charakter weglassen, der die allgemeine 
Wirkung der Draperie zu stören im Stande ist. Besonders ist 
dieses erlaubt, wenn man viel kleiner und nicht in natürlicher 
Grösse malt, da muss man sich nur an die Hauptmassen halten 
und die Draperie so malen, dass, wenn man den Stoff ausbrei- 
ten würde, er wirklich die Ausdehnung und Weite darbieten 
könnte, die man sich dabei denkt. Aber bei der Wahl der 
Falten muss mit Umsicht verfahren werden, damit nicht der 
Hang zur Einfachheit in Armseligkeit ausarte, denn man muss 
immer die Art und die Eigenschaft eines jeden Stoffes wieder 
erkennen. 
Niemals mache man die Schatten einer Draperie von eben 
so lebhafter und reiner Farbe, als die Lichter derselben; der- 
selbe Grund, der das Weiss in den starken Schatten grau und 
selbst braun erscheinen lässt, nöthigt uns, daran zu denken, 
dass auch alle anderen Farben dabei trüber und schwarzer er- 
scheinen müssen; Indessen giebt es Fälle, wo Stoffe, besonders 
Seidene, ziemlich lebhafte Reflexe haben, und zwar, wenn eine 
helle Farbe ihr Licht auf eine andere, die nahe, und im Schatten
        

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