Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337803
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Lection. 
Zwanzigste 
Kleidung. 
Ich glaubte, die Anfänger auf diese Art von Wirkungen auf- 
merksam machen zu müssen, weil sie vermöge ihrer Studien nach 
dem Runden gewohnt sind, ihre Lichter und Schatten so aufzu- 
tragen, wie sie sie wirklich auf jeder gleichförmigen Oberiiäche 
sehen; allein eine solche kommt bei vielen Gegenständen, welche 
gemalt werden sollen, nicht vor. Es ist nöthig, dies zu bemerken. 
Von 
allen 
leichten 
und 
durchsichtigen 
Stoffen. 
Man muss auch die Gaze, den Mousselin, den Flor und über- 
haupt alle durchsichtigen Stoffe sorgfältig studiren. Sie lassen 
sich nur mit Mühe gut nachbilden, weil sie dem Auge eine solche 
Verwickelung von Falten darstellen, indem eine durch die andere 
durchscheint und mansie weder in einander ziehen, noch genau 
von einander scheiden kann. Um sie gut darzustellen, muss man 
das Untere in einer weichen und breiten Weise anlegen, ohne 
für den Augenblick auf die oberen Falten, welche sie wieder be- 
decken, grosse Rücksicht zu nehmen. Geschieht dies, so ist man 
wegen Anbringung der oberen Falten weniger in Verlegenheit; 
überhaupt aber muss man diese Art Stoffe nicht mit dickem 
Farbenauftrag malen, um ihnen das leichte und feine Ansehen 
zu geben, das sie haben müssen. Man arbeitet dabei mehr 
mit Weiss, als mit anderen Farben; wenn man aber die letzteren 
gebrauchen will, so halte ich es nach meiner Erfahrung für vor- 
theilhaft, sie ebenso zu malen, als wenn sie weiss wären (beson- 
ders, wenn der darunter befindliche Grund von weisser oder 
anderer Seide ist). Alsdann, wenn diese Arbeit ganz trocken 
ist, legt man über das Ganze eine leichte Lasur von Blau, Rosa, 
Grün u. dgL, indem man dabei beobachtet, die Dunkelheit der 
Lasur überall da zu verdoppeln, ja sogar dreifach starker zu 
malen, wo die Natur uns den Stoff zwei- und dreifach über einan- 
ander gelegt zeigt.  
Bei dieser Art und Weise bleibt man Herr seiner Arbeit; 
man vermehrt oder vermindert die Intensität der Lasurfarbe, ohne 
dass man dabei Gefahr läuft, die Falten und die unteren Formen 
zu verlieren, und zu gleicher Zeit mildert man mit gebroche- 
nen grauen Tönen einige Parthieen, die man für zu lebhaft hält,
        

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