Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337769
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Zwanzigste Lection. 
Kleidung. 
und braunen Statt. Diese Reflexe sind allezeit dem Licht gegen- 
über. Man muss auch alle Conturen in den Hintergrund sanft 
übergehen lassen, indem man die Grenzen des Stoffes mit dem 
Grunde oder mit anderen hinter dem Kleide sich befindlichen 
Gegenständen etwas unbestimmt verschmelzt, so dass sich die dun- 
kelsten Drucker immer in den Schlagschatten der Halskragen, 
der Aufschläge etc. befinden, sowie auch in den Schatten, welche 
den Arm von dem Körper trennen. Allein niemals muss man 
tiefe und schwarze Falten über die Rundung der Glieder legen, 
dies zerstückt die Formen, wie wir schon oben erwähnt haben. 
Man setzt also zuerst mit den kräftigsten Schattenparthieen 
ein, hierauf lässt man die schwächeren folgen, und endlich die 
allerschwächsten. Hierauf folgt der Localton des Tuchs überall 
da, wo es weder beschattet noch durch die Wirkung der Lichter 
sehr hell ist. Ist dieses geschehen, so mische man die Hälfte 
dieses letzten Localtons mit einem Drittel, mehr oder weniger, 
von demjenigen, welcher das meiste Weiss hat, und damit malt 
man überall gleichmässig die hellsten Massen, indem man gleich 
darauf mit dem allerhellsten Ton dieselben von Neuem bearbeitet, 
um die vor allen übrigen hervorleuchtenden Lichter anzugeben. 
Allein man muss sie nicht zu hell halten, sonst erhält das Zeug 
solche Lichter wie Seide, oder wie geschorene und geglättete Stoffe, 
was dem matten Ansehen des Tuchs widersprechen würde, aus- 
genommen, wenn es noch die erste Frische und den glänzenden 
Schein der Appretur hat. 
Man folgt demselben Wege, um irgend eine Draperie, welche 
es sei, zu malen, das heisst, man fängt immer mit den stärk- 
sten Schatten an, nachdem man zuvor eine etwas durchsichtige 
Localfarbe ohne Vermischung mit Weiss überall aufgetragen hat. 
Es giebt einen Fall, in welchem Tuch dem- Auge eine unendlich 
viel brillantere und lebhaftere Farbe darbietet, als wenn es von 
vorn beleuchtet wird, und dies geschieht, wenn der Stoff zwischen 
dem Licht und dem Beschauer sich befindet. In dieser Stellung 
ist der grösste Theil in einer allgemeinen grossen Dunkelheit, 
allein an den Rändern und Biegungen des Zeugs, wo das Tages- 
licht die ,W0lle des Tuchs bescheint, sieht man sehr lebhafte 
Lichtblicke von einer unendlich schöneren Farbe, als wenn man
        

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