Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337717
Gliedermann. 
Drapirung. 
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rieen würden einer nass gemachten Leinwand ähnlich sein, die 
alle Formen des Körpers annimmt, sich an denselben anlegt und 
gleichsam festklebt. Dies ist ein Fehler aller derjenigen, die aus 
der Idee oder wirklich mit nassen Stoffen drapiren. Dieses Mittel 
kann in gewissen Fällen gut sein, z. B. für Bildhauer oder Histo- 
rienmaler, die öfters mehrere Gliedermänner zusammen gruppirt 
mit einem Blick übersehen und studiren müssten und nun selbst 
kleine Figuren in Thon modelliren. Man nennt diese kleinen 
Figuren Maquettes 1), sie haben nur einen Fuss und noch weniger 
Höhe. Damit die Draperieen dieser kleinen Figuren eine gewisse 
Geschmeidigkeit und verhaltnissmässige Schwere zu ihrem Um- 
fang haben, so drapirt man sie mit nasser Leinwand, mehr oder 
weniger in Thon getaucht, umt sie mehr oder weniger dick, dünn 
oder fein und nicht so steif erscheinen zu lassen, als Stückchen 
Stoff von gleicher Grösse sein würden, _und damit sie genug Ge- 
wicht und Geschmeidigkeit haben, von selbst zu fallen, um Körper 
und Gliedmassen dieser kleinen nur grob modellirten Figuren 
einzuhüllen. 
Bei Gliedermannern von natürlicher Grösse müssen die ver- 
schiedenen Steife, womit man sie bekleidet, ganz dieselben sein, 
deren sich jedermann bedient. 
Man muss so viel als möglich (besonders bei Draperieen, 
deren Falten nicht perpendicular herabfallen) die parallelen Fal- 
ten, die sich zu ähnlich sind und besonders, wenn sie zu nahe 
an einander liegen, vermeiden; indessen lasst sich dieses in der 
Bekleidung aufrecht stehender Personen nicht immer thun. Bei 
starken Stoifen, die kernig und fest sind, als dickes Tuch, Sam- 
met und starke seidene Steife, suche man nicht zu viel Falten 
anzubringen, sondern grosse und schöne Hauptfalten, die breite 
Massen ohne Naohtheil iiir die darunter beündlichen Formen 
geben. Wenn man einen weichen und dünnen Stoff drapirt, so 
 
 1) Die Anfertigung dieser Maquetten und deren Gebrauch erfordert schon 
9111611 gewissen Grad von Talent und Kenntniss, denn ob man sie gleich nur 
roh modellirt, so müssen sie doch proportionirt sein und besonders die rechte 
Stellung und Bewegung der Figur haben, wenn sie als Gliedermann dienen 
5011911- Uebrigens gelangt man bald dahin, allein man muss Uebung haben und 
gut zeichnen können.
        

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