Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337705
326 
Zwanzigste 
Leution. 
Kleidung. 
Wenn man einen dicken und starken Gliedermann hat, so 
geht die Bekleidung von dünnen Personen nicht darüber; will 
man aber eine starke Person nachahmen, so kann man ihn aus- 
polstern und mit Streifen von Zeug geschickt dicker machen. Auf 
diese Art kann ein Gliedermann iiir alle Taillen benutzt werden. 
Ich gebe den Rath, einen weiblichen Gliedermann von fünf Fuss 
Höhe zu haben, einen weiblichen deshalb, weil die Kleider und 
verschiedenen Stoffe, womit sich Frauen bekleiden, viel schwerer 
zu malen sind, als die der Männer.  
Eben diesen Gliedermann kann man auch mit einiger Ein- 
Sicht zur Bekleidung der Männer gebrauchen, man braucht nur 
alle Formen und Glieder, die Brust ausgenommen, gehörig dicker 
zu machen, und nach einem gut gezeichneten Umriss wird man 
über diese Auspolsterung eine Oifizierkleidung, die viel Details 
hat, und jede andere beliebig leichter malen, als nach dem wirk- 
lichen Modell; dessenungeachtet aber muss man alle diese Dinge 
so viel als möglich nach dem Modell selbst machen. 
Jetzt wollen wir betrachten, wie Stoffe gut zu drapiren und 
zu malen sind. 
Soll ein Rock, ein Shawl, eine grosse Draperie gut aussehen, 
so ist die Hauptsache die, dass die Formen der Figur nicht ganz 
verdeckt werden, sondern dass man durch die Falten hindurch die 
Lage der Parthieen des Körpers, die sie bedecken, ohne Mühe 
verstehen kann. Es ist nicht nothwendig, dass die Formen sich 
in ihrem ganzen Zusammenhange darstellen; im Gegentheil, der 
Stoff muss bei Vertiefungen die Form verlassen und überall 
da, wo etwas rund Vorspringendes erfordert, weniger Falten zu 
machen, über diese runde Parthie mehr nur ausgebreitet sein. 
Mithin, die für das Modell angenommene Stellung mag sein, welche 
sie will, wird man Glieder und Parthieen finden, von welchen 
einige vor den anderen hervorspringen, und diese hervorsprin- 
genden Parthieen werden gegen den Stoff drücken, so dass er 
sich nicht in tiefe Falten zertheilen kann. In diesen hervorsprin- 
genden Theilen muss man die Form des Körpers durch die Falten 
erkennen, da uns dies die Natur selbst wirklich zeigt, wenn wir 
nur ein wenig darauf Acht geben. Der Künstler hüte sich aber, 
diese V ertheilung im Uebermass anzuwenden; dergleichen Drape-
        

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