Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337685
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Leetion. 
Zwanzigste 
Kieidung. 
gemacht wird, zu verlangen. Man kann Jahre lang den Glieder- 
mann drapiren, ohne die nämlichen zuerst bemerkten Falten wie- 
derzufinden, man muss sich also nicht bei Kleinigkeiten auf- 
halten, sondern sich begnügen, wenn man ungefähr dieselben all- 
gemeinen Massen der Hauptfalten, wie auch die Wirkung der 
Schatten und Lichter erhält. 
Man sei überzeugt, dass die Details so willkürliche Dinge 
sind, dass sie zum allgemeinen Eifect wenig beitragen; überdies 
ist es sehr leicht möglich, dass, indem man irgend eine Falte 
wiederfinden will, man eine andere noch bessere entdeckt; in die- 
sem Falle muss man nicht lange zaudern, sondern diese wählen, 
in sofern sie nicht mit den angrenzenden Biegungen der Falten in 
olfenbarem Widerspruch steht. Alles dieses. lernt man nicht in 
einem Tage; man muss Geschmack haben, Ausdauer, und zu 
gleicher Zeit zu wählen wissen. 
Nicht mit den Fingern gelingt es, einen Stoff auf den Glie- 
dermann zu drapiren, man muss ein kleines, vorn abgerundetes 
Stöckchen dazu brauchen, oder eine lange starke Stricknadel. 
Auf diese Art bringt man nicht die allgemeine Masse in Unord- 
nung, auch nicht gewisse Details, die man beizubehalten wünscht, 
und kann dadurch die verlangten Falten auf das Leichteste her- 
vorbringen. 
Was bei der Bekleidung eines Gliedermannes das Schwie- 
rigste bleibt, ist, demselben unter der Kleidung die Stellung, na- 
türliche Haltung vund Leichtigkeit der lebenden Natur zu geben. 
Diese Puppe, so gut sie auch gemacht ist, hat etwas Ungestal- 
tetes, und man muss sehr gut zeichnen können, wenn man sich 
derselben mit Erfolg bedienen will, besonders ist es unerlässlich, 
dass die Contoure der Figur nach dem Modell vollkommen gut 
gezeichnet sind. Man wage es nicht, diese Vorsicht zu vernach- 
lässigen, und verlasse sich nicht auf den Gebrauch des Glieder- 
mannes, sonst wird die Figur hölzern und hat weder Grazie noch 
Geschmeidigkeit. Der Gliedermann dient blos, um die Natur und 
die Wirkung der Stoffe nach Gefallen zu copiren; daher ist es 
nöthig, ihn S0 viel als möglich in die wirkliche Stellung des Mo- 
dells zu versetzen, damit die Falten den Biegungen der Glie- 
der folgen. Ist dieses geschehen, so mache man niemals einen
        

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