Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337670
T1113] 
Glis 
Drapirung. 
323 
die der 
stecken. 
Zufall 
über 
eine 
Figur 
geworfen 
hat, 
11111 
sie 
ver- 
i Das muss man sorgfältig vermeiden, im Gegentheil, obgleich 
ohne Künstelei, sich bemühen, die Falten und die Weite des 
Stoffs dergestalt zu vertheilen, dass die Form des Nackten dar- 
unter zu erkennen ist, oder mit anderen Worten, dass man durch 
diesen Steif die Stellung und bis auf einen gewissen Punkt so- 
gar die Form der Glieder ziemlich deutlich sehen kann. Es ge- 
schieht bisweilen, dass das Gewand oder der Shawl, nämlich das, 
welches die Person wirklich tragt, sehr angenehm drapirt ist; in 
diesem Falle, wenn es nur ein Brustbild ist, muss man die Per- 
Son bitten, stehen zu bleiben, ohne sich zu bewegen, um uns Zeit 
zu lassen, diese Parthie der Kleidung zu malen. Befurchtet man, 
dass keine Zeit dazu da ist, so muss man mit dem Estompe und 
mit schwarzer und weisser Kreide eine Zeichnung danach machen, 
um nach dieser Zeichnung die Vertheilung der Falten vorzu- 
nehmen, indem man danach malt oder in dem Geist dieser Skizze 
den Gliedermann damit drapirt. 
Wenn von einem Portrait in ganzer Figur die Rede ist, so 
ist nicht daran zu denken, dass man in ein und derselben Sitzung 
die ganze Kleidung, zumal die einer Frau, malen könnte. In die- 
Sein Falle (vorausgesetzt, dass der Zufall uns in der Natur und 
in der Person selbst eine glückliche Disposition für Wirkung und 
Faltenwurf Xdarbietet) muss man sich beeilen, einen allgemeinen 
Entwurf davon zu machen, um darnach den Gliedermann oder 
eine andere Person zu drapiren, welche zu dem Ende die Stelle 
des Modells ersetzen soll. Hat man noch nicht Fertigkeit genug, 
eine so umfangreiche Arbeit im Ganzen zu unternehmen, so malt 
man dann eine Parthie, nachher eine andere, etwa die Aermel, 
hernach die Taille, ein andermal den Rock, den Shawl und end- 
lich alles Uebrige; und ob man sich gleich nicht versprechen 
kann, seinen Gliedermann jedes Mal genau nach eben der lllanier 
mit dem Stoii" zu drapiren, so wird man sich doch immer, durch 
die Skizze geleitet, demselben genügend nähern, um nichts ganz 
falsch und ungereimt zu machen. Ueberdies muss ich meinen 
Lesern sagen, dass sie sich bei Zeiten gewöhnen, nicht zu viel 
VOII den Falten einer Gewandung, die zu verschiedenen Zeiten 
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