Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337663
322 
Zwanzigste 
Lection. 
Kleidung. 
Eine 
dunkle 
Farbe 
auf 
einer 
helleren 
macht 
eine 
bessere 
Wirkung, als im umgekehrten Falle; im Allgemeinen ist es daher 
besser, einen Shawl dunkler zu machen, als das Unterkleid, das 
damit bedeckt wird; ebenso ist es bei Männern. Die Farbe 
eines Ueberrockes oder irgend eines Kleides thut eine bessere 
Wirkung auf einer hellen Weste, als das Gegentheil. Allein alle 
diese kleinen Bemerkungen sind blos allgemein, und es giebt Fälle, 
wo man es durchaus anders machen muss, theils, um sich nach 
der Gewohnheit einer Person zu richten, theils aus anderen Ur- 
sachen, welche der Maler vorzuziehen hat. 
Vom 
Faltenwurf 
und 
VOD 
der 
Kunst 
den 
Gliedermann 
Zll 
bekleiden 1). 
Nichts beweist deutlicher, dass in vielen Fällen die Kunst 
der Natur zu Hülfe kommen muss, als der schöne Faltenwurf. 
In der That, wenn der Maler alles das, was ihm die Natur und 
der Zufall darstellt, immer sclavisch nachahmen wollte, so würde 
er fast immer geschmacklose Sachen machen, die alle Formen sei- 
ner Zeichnung verderben, das heisst die Gliedmassen seiner Figuren 
verkrüppelt erscheinen lassen würden, wenn er sie auch ursprüng- 
lich noch so gut angelegt hätte. 
Es giebt gewisse nachtheilige Falten, die, anstatt dem Zu- 
schauer Gelegenheit zu geben, die unter ihnen verborgenen For- 
men der Figur sich deutlich zu machen und die Stellung zu verste- 
hen, diese Formen vielmehr so unterbrechen, dass eine solche 
Draperie mehr ein verworrener Haufe von Stoffen zu sein scheint, 
 
1) Einen Gliedermann gut bekleiden heisst, einen Rock oder irgend 
eine Bekleidung so auf demselben anordnen, dass er schöne Falten wirft, und 
in Absicht auf die Figur der Person, die man damit zu bekleiden gedenkt, 
eine schöne Wirkung thut. Diese Kunst des IPaltenwerfens ist sehr schwer 
und erfordert viel Kenntniss, Geschmack und Geduld, ja man verwendet öfters 
ganze Tage auf diese Arbeit, ohne befriedigt zu werden. Jedermann weiss, 
dass der Gliedermann eine grosse Puppe ist, entweder ganz von Holz, oder 
von Holz und metallenen Charnieren bei allen Gelenken der Knochen, und we- 
gen der Muskeln und des Fleisches künstlich ausgestopft und gepolstert, um 
alle Formen und Proportionen einer männlichen Figur, eines Frauenzimmers 
oder Kindes nachzuahmen. 
        

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