Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337574
Palette. 
Die 
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Wie nun aber jeder Mensch seine individuelle Form und 
seine individuellen Proportionen hat, in denen Sich Sein Wesen 
ausspricht, und zwar unbeschadet der, aller menschlichen Form 
zukommenden, allgemeinen Bauart desselben Knochengerüstes, 
derselben Muskulatur und ähnlicher Proportion, so hat auch jeder 
Mensch seine ganz individuelle Farbe, die ebenso, ohne an Cha- 
rakteristik zu verlieren, den allgemeinen Gesetzen der Beleuchtung 
und der Farbe unterworfen ist und von diesen verändert wird. 
Für den bereits vorgeschrittenen Schüler würde also eine Palette, 
die auch schon bei der Mischung Rücksicht auf individuelle Farbe 
nähme und wie sich dieselbe den allgemeinen Gesetzen der Be-V 
leuchtung und Farbe nach verändern muss, um gerade überall 
den Eindruck dieser einen Farbe in den mehr oder weniger be- 
leuchteten Parthieen hervorzubringen, eine an dieser Stelle der 
Arbeit richtigere und wichtigere Vorarbeit sein. 
Eine solche Farbenreihe müsste also in ununterbro- 
chener Folge jedenfalls aus dem hellSten Licht in den 
dunkelsten Schattenton überführen, zugleich aber auch 
aus den reinen Tönen des Lichts durch gebrochene Halb- 
töne in immer gebrochenere und kalter werdende Ueber- 
gangstöne, fast genau nach dem Mass ihrer Dunkelheit,  
und mit den warmen Schatten endigen. 
Da eine solche Palette wesentlich auf den ganz individuellen 
Charakter, der dargestellt werden soll, basirt, so ist eine schrift- 
liche und in's Einzelne gehende Anweisung nicht möglich zu geben, 
und nur im Allgemeinen und beispielsweise kann versucht werden, 
dies und jenes noch genauer und bestimmter zu beschreiben. 
Zuerst mischt man also die reinen Lichttöne, Localtöne und 
Glanzlichter. Wo volles Licht, jedoch kein Glanzlicht ist, sieht 
man den Localton am reinsten; in jedem Oolorit aber giebt es 
verschiedene Localtöne (immer wird z. B. wohl die Stirn blasser, 
die Wange röthlicher gefärbt, immer aber auch ein Localton da- 
her wohl heller als der andere sein). Zuerst mischt man den 
hellen Localton, davor das, natürlich hellere, Glanzlicht, vielleicht 
davor noch ein hellstes, wenn eben die Haut gerade besonders 
glatt und glänzend ist. Hinter den hellen Localton, den dunkleren 
der Wangen, der mit geringer Aenderung wohl auch für die ge-
        

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