Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337555
Natur. 
Beobachtung der 
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derselben Natur zur Erscheinung, auch hier und in dieser Be- 
ziehung manifestirt sich die Menschennatur als Mikrokosmus. 
H. Bei jedem schönen oder starken FarbeneHect und 
für das "geübte Auge bei allen, zeigen sich die zusam- 
menstehenden Farben immer in verhältnissmässig contra- 
stirender Richtung. 
Es ist bekannt, dass in dem Wechsel der Farben den drei 
ursprünglichen, Gelb, Roth und Blau, die gemischten, Violett, 
Grün und Orange, gegenüberstehen,  nach diesen entgegen- 
gesetzten Richtungen hin, ohne ihre Natur zu ändern und je 
nach dieser Natur, erscheinen die neben einander stehenden Far- 
bentöne. Nicht nur z. B. der der Sonne gegenüber stehende blaue 
Himmel ein wenig in's Grünliche gehend, wenn roth gefarbte 
Wolken ihn durchziehen, und derselbe blaue Himmel sich in's 
Violettblau neigend, wenn der Mond gelbleuchtend, durch den 
Dunstkreis, über den Horizont hervortritt; nicht nur auf der Diele 
der Schlagschatten eines scharlachrothen Gewandes, bräunlich, 
aber ganz in das Grüne gehend, während der Schlagschatten einer 
brillant gelben Draperie in's Bräunliche aber Violette gehend er- 
scheint; es scheint nicht nur-dasselbe Colorit auf einem gelben 
Hintergrunde ebenso in's Violette zu gehen, während es auf einem 
violetten inls Gelbe, auf einem purpuren Hintergründe, in's Gelb- 
grünliche geht etc. etc.; sondern die neben einander stehenden 
Töne einer und derselben Farbe bewegen sich in ihren wechselnden 
Abtönungen annähernd in solchen Contrasten. Die Halbtöne eines 
rein gelben Gewandes z. B. neigen sich gewissermassen dem Violett- 
liehen zu, und wenn beim menschlichen Colorit auch nur sehr an- 
näherungs- und beziehungsweise von diesen Contrasten die Rede 
sein kann, so wird man das abgetönte reine Roth z. B. in's 
Grünliche gebrochen, den tieferen Halbton dagegen wieder, wenn 
auch kälter, doch mehr in das lackig Violette übergehen sehen etc. 
Dass aber bei dem feinen und beweglichen Element der Farbe 
diese schweren Worte nur annähernd die Richtung bezeichnen 
9011811, wird zu richtigerem Verstandniss hier nochmals wiederholt. 
Wie aber in der Natur derselbe gelbe und violette Stoß, 
derselbe rothe und grüne, derselbe blaue und gelbröthliche neben 
emander gelegt brillanter erscheinen, als einzeln oder in anderer
        

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