Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337519
Pinselführuxmg. 
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Sicherheit, dass sie fast niemals eine Copie, so gut sie auch ge- 
macht ist, für ein Original halten. 
Die Pinselflihrung eines grossen Meisters hat einen soiuunter- 
scheidenden Charakter, dass es tausendmal schwerer ist, sie voll- 
kommen nachzuahmen, als eine Namenssignatm" oder irgend welche 
Schrift. 
Man wundere sich also nicht mehr, wenn wahre Kenner ein 
Original von der Copie leicht unterscheiden. Die grosse Schwie- 
rigkeit besteht darin, dass man eine grosse Anzahl Maler bis zu 
dem Grade studirt haben muss, dass man ihr Genre und ihre 
Art zu malen vollkommen kennt. Dieses Studium ist lang und 
erfordert einen feinen Geschmack und natürliches Gefühl; daher 
kommt es, dass es so wenig wahre Kenner giebt. 
Ein Copist kann die Umrisse vondem Original kalkiren, er 
kann sogar die Wirkung, die Farbe und den Ausdruck des Kopfs, 
wenn er einiges Talent hat, ziemlich gut nachahmen; allein bei 
der Pinselführung, welche die Seele des Originals ist, wird er 
Scheitern. Ich sage noch mehr: ein Maler, welcher sich selbst 
copirt, wie dies öfters geschieht, hat nicht mehr dieselbe Hin- 
gebung, dieselbe Freiheit des Pinselstrichs in seiner Copie, blos 
aus dem Grunde, weil er sich die Last aufgelegt hat zu copiren, 
und weil er nicht mehr nur nach seiner Eingebung arbeitet. Ich 
habe es allezeit selbst erfahren, und alle meine Freunde haben 
mir gestanden, in demselben Falle gewesen zu sein. 
Man mache daraus nicht den Schluss, dass es blos darauf 
ankomme, freie und dreiste Pinselstriche zu machen, um vortreff- 
liche Werke zu liefern, sondern diese Pinselstriche müssen auch 
mit der grössten Richtigkeit angebracht sein, sowohl in Ansehung 
der Wahrheit des Tons, als der darzustellenden Form; sie müssen 
nicht hart, nicht mager, nicht trocken, sondern harmonisch, weich, 
ausdrucksvoll und natürlich sein, analog allen übrigen Mitteln, 
Welche dem Menschen zu Gebote stehen, um seine Ideen Anderen 
mitzutheilen ! 
Ein Redner mag die zierlichsten Redensarten gebrauchen, die 
hßrmoniereichsten Worte ertönen lassen, man wird die Verschwen- 
dung Seiner Worte tadeln, und nichts als Aifectation darin er- 
blicken, Wenn er nicht durch die Wahrheit seiner Schlüsse und 
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