Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337478
Anleitung zu 
Refouchen. 
den 
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in's Wasser schütten, um schöne Figuren zu bilden, die beste 
würde des Ungefahrs nicht werth sein.  
Ich muss bei dieser Gelegenheit bemerken, dass die eigent- 
lich sogenannten Retouchen weniger Trockenöl verlangen, als die 
Lasuren, denn da man mit mehr oder weniger undurchsichti- 
gen und ihrer Natur nach trocknenden Farben über das Untere 
geht, hat man für das Trocknen der Arbeit nichts zu befürchten. 
Auch lehrt die Erfahrung, dass, je mehr eine Farbe impastirt, 
das heisst in einer gewissen Starke aufgetragen ist, desto eher 
ist sie zum Trocknen geneigt, und im Gegentheil, je dünner und 
durchsichtiger die Farbe ist, desto schwerer trocknet sie, wenn 
man nicht viel 'l'rockenöl hinzusetzt, was öfters dann sehr nach- 
theilig ist._ 
Man beobachte die Mittelstrasse; zu viel oder zu wenig 
Farbe gebrauchen ist schädlich. Man sieht junge Leute, die ihr 
Gemälde so stark impastiren, wie ein Maurer thun würde. Es 
ist wahr, Rembrand und andere grossebColoristen haben oft 
grosse Erhöhungen von Farbe in ihren Arbeiten; allein man 
täusche sich nicht,  dadurch sind sie nicht bewunderungswürdig 
geworden. Diese grossen Meister hatten nicht die Absicht, aus 
ihren Gemälden Basreliefs zu machen; sie hatten zu viel Einsicht, 
um an dieser schlechten Art. Geschmack zu Enden; allein streng 
gegen sich selbst, sind sie nicht leicht von der Wirkung ihrer 
Werke und der Wahrheit des Uolorits befriedigt worden. Daher 
haben sie bis zu ihrer vollkommenen Befriedigung gemalt und 
ihre Bilder von Nenemoimpastirt; und eben das hat die mitunter 
übertriebenen Erhöhungen ihrer Farben hervorgebracht. Hatten 
sie gleich von Anfang den rechten Ton gefunden, so waren sie 
dabei stehen geblieben, und hatten sich der ängstlichen Versuche 
und vielfältigen Retouchen überhoben, welche, eine auf die andere 
gehäuft, endlich die für das Auge unangenehmen Erhöhungen 
der Farbe hervorgebracht haben und die man im gewöhnlichen 
Leben Kleckse zu nennen pflegt, wenn ihr Verdienst eben blos 
in der Dicke besteht. 
Es ist wahr, eine grosse Erhöhung von Farbe giebt einem 
grossen Lichte etwas Pikantes; aber sie macht zugleich einen 
schütten, wodurch der beabsichtigte Erfolg verhindert wird. Ein
        

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