Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337457
Anwendung 
der Retouchen. 
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Häuiig lässt man auch bald da und dort die Untermalung 
durch diese leichte Retouche durchscheinen, und man thut sehr 
wohl daran, wenn Parthieen einer Untermalung gut vorbereitet 
waren, und ihr Ton richtig und fein genug ist, so dass man ihn 
[beizubehalten wünscht. In diesem Falle drückt man nur einige 
Details mit mehr Bestimmtheit aus, sowohl durch kräftige Drucker 
als durch zarte und durchsichtige Striche, alles Uebrige lässt 
man als einen Grund oder als einen Localtou, womit man zu- 
frieden ist, unberührt. Diese Manier ist auch bei vielen Dingen 
gleich gut anwendbar, besonders in Landschaften, in der Archi- 
tektur und sogar bei Draperieen, wenn nach Auftrag einer Re- 
touche der Ton gut gerathen ist, so dass sie die gewünschte 
Färbung hat. Man muss aber niemals die Lüfte oder grosse 
Lichtmassen in der Carnation retouchiren, denn dies sind Par- 
thieen, die man nicht rein und licht genug halten kann; man 
muss sogar möglichst vermeiden, sie mit Oel anzureiben oder zu 
viel hinein zu arbeiten, weil sich die Farben dadurch verändern 
und nach kurzer Zeit eine gebräunte und schmutzige Färbung 
annehmen 1).  
Die Retouchen haben den grossen Vortheil, die Untermalung 
so sichtbar zu machen, wie wenn sie erst frisch gemalt wäre, 
dergestalt, dass man die Töne gründlich modificiren kann, und 
noch mehr, die Details, die man darüber malt, verbinden und 
verschmelzen sich vollkommen mit dem darunter Gemalten, 
ohne jemals weder trocken noch geschnitten zu werden, weil sie 
sich mit der allgemeinen Retouche etwas vermischen; davon 
kommt die Weiche und schöne Harmonie eines Gemäldes. 
Ich nehme z. B. im, man wolle ein Stück Architektur über- 
malen; die leichte Retouche, womit man die Untermalung lasirt, 
lässt alle gezogenen Linien durchschhnmern und die Untermalung 
Wie frisch gemalt erscheinen. Mit der Spitze eines Borst- oder 
anderen starken Pinsels nimmt man die verschiedenen durchsich- 
1) Man sehe indessen die achte Lection, in welcher ich eine Art von 
weissem Oel angegeben, das zur Retouche gewisser Fleischparthieen gut iSt, ohne 
dass man sie ganz zu übermalenbraucht, und ohne dass diese übermaltexl 
Parthiven fleckig aussehen.
        

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