Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337251
Warnung 
VOT 
Detail. 
kleinlichem 
281 
haben, die in Ansehung der Wahrheit der kleinsten Details mit 
der Natur selbst wetteifern, und dass ihre Werke, allgemein zu 
sehr hohen Preisen geschätzt, in den ersten Gallerien von, Eu- 
ropa einen Platz erhalten haben und von allen Gemaldesainm- 
lern gesucht werden; so antworte ich, dass dieses bis auf einen 
gewissen Punkt wahr ist, dass diese Gemälde, in welchen sich 
gewiss viele bewundernswürdige Dinge befinden, dennoch nicht die- 
jenigen sind, welche von wahren Kennern am höchsten geschätzt 
werden; dass sie ferner wegen ihrer Seltenheit gesucht werden, 
und weil es gewöhnlich ist, dass man in einer ansehnlichen Samm- 
lung, der Vollständigkeit wegen, ein Gemälde dieser Art haben 
muss; überdies bezahlt man sie sehr theuer, weil der Maler nur 
eine kleine Anzahl derselben hat vollenden können, in Betracht 
des schrecklichen Zeitaufwandes, der einem blossen Kopf in natür- 
licher Grösse gewidmet ist. 
Gerhard Dow hat in seinen Arbeiten auch eine sehr grosse 
Ausführung; allein ich ziehe ihn allen Uebrigen vor. Uebrigens 
muss man gerecht sein; wenn das Verdienst des Denner blos 
in der unbegreiflichen Vollendung bestanden hatte, die man nur 
mit einer starken Lupe beurtheilen kann, so würde sein Ruhm 
nicht sehr gross sein; allein man muss gestehen, dass seine all- 
gemeine Färbung zu gleicher Zeit von grosser Wahrheit ist, und 
dass eben diese Köpfe, welche die Probe der Lupe aushalten, 
mit welcher man alle Poren der Haut und die geringsten mikro- 
skopischen Details entdeckt, dessenungeachtet für den allgemei- 
nen Effect so gut behandelt sind, dass sie noch viel Vergnügen 
machen, wenn man sie aus der Entfernung ansieht, aus welcher 
man andere Gemälde betrachtet.   
Nach allem diesem sollte es scheinen, dass kein anderer Mei- 
ster dem Denner vorgezogen werden kann, und doch ist dem 
nicht so. Es beweist nichts mehr, als dass in dem letzteren 
Jahrhundert ein Mann gelebt hat von einem besonderen Talent 
für diese sehr ausgeführte Art Malerei, mit einem vortrefflichen 
Gesicht begabt und besonders mit einer Geduld, fast möchte ich 
sagen mit einem unglaublichen Phlegma, um sich Jahre lang über 
einen blossen Kopf zu bücken, und dass seine, Gemälde, wenn 
Alles geschehen ist, viel weniger Leben haben und aufgeklärten
        

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