Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337205
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A chtz ehnte 
Lection. 
Uebermalung. 
zu sagen: Lachen Sie, dies ist zu viel, noch einmal, nicht 
so viel, so ist es recht u. s. w. (wodurch niemals der wahre 
Ausdruck hervorgebracht wird); so muss man in diesen Fällen 
entweder aus dem Gedächtniss malen, oder wenigstens den Augen- 
blick abwarten (indem man sich mit einer anderen Sache beschäf- 
tigt), in welchem uns die Person die Art des Ausdrucks, die man 
haben will, wieder giebt, und die sich in Uebereinstimmung und 
Harmonie mit den Parthieen beündet, die man schon gemacht 
und vollendet hat.  
Ein 
Wort 
über 
die 
Portraits 
mit 
abgewandtem 
Blick. 
Man nennt Portraits mit abgewandtem Blick (a regard 
perdu) solche, in welchen das Modell den Maler nicht ansieht, 
sondern irgend einen anderen Gegenstand, welcher sich in dem 
Gemälde beündet oder auch nicht darin befindet, so dass man 
annehmen müsste, er befinde sich ausserhalb des Rahmens. Man 
nimmt sehr oft diese Stellung, und wenn sie auch nicht die Aehn- 
lichkeit sehr erleichtert, so ist sie doch sicherlich sehr malerisch. 
Künstler, denen man ganz freie Wahl lässt, eine Stellung anzu- 
ordnen, die ihnen gefallig ist, wählen sie sehr gern, weil sie in 
der Composition verschiedene Vortheile darbietet, wodurch diese 
Art Portraits weniger gewöhnlich sind, als die meisten von denen, 
deren Augen Jedermann ansehen, was immer geschieht, wenn sich 
der Maler von seinem Modell ansehen lässt. 
Eine Figur, die uns beständig starr ansieht, ohne den Aus- 
druck zu verändern, hat etwas Unbelebtes an sich, das mit der 
Zeit langweilig wird, die Vorstellung einer plötzlichen Versteine- 
rung erregt und dessen man zuletzt überdrüssig wird. 
Bei einem Portrait mit abgewandtem Blick verhält es sich 
anders. Da das Individuum den Anschein hat, als beschäftige es 
sich mit einem mehr oder weniger interessanten Gegenstande für 
sich, so fühlen wir nicht dieselbe Ungeduld, wenn wir sehen, dass 
es fortwährend auf etwas blickt, das wir selbst nicht sehen, und 
wir vermuthen irgend ein Motiv, das seinen Blick festhält. 
Wenn aber diese Art Portraits für das Publicum überhaupt 
diesen Vortheil haben, so ist es doch damit ganz anders für Ver- 
wandte und Freunde der dargestellten Person. Diese wünschen
        

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