Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337194
Allgemeine Rathschläge 
Portraitmaler. 
275 
das ich ihm empfehlen kann, um den ganzen Ausdruck seines 
Modells auf sich allein zu lenken, ist, bei Zeiten alle Kräfte 
anzuwenden, um sich während der Arbeit mit der Person, die 
man malt, zu unterhalten. Durch Uebung wird man sich in 
diesem Punkt Leichtigkeit verschaffen, und wird niemals mit 
mehr Erfolg und Feuer arbeiten, als wenn es gelingt, die 
Unterhaltung zu wechseln und fortzusetzen. Die ganze Kunst 
besteht darin, die Gegenstände des Gesprächs wohl zu wählen 
und besonders dasjenige hervorzusuchen, das mit dem Charakter 
und dem Geschmack seines Modells übereinstimmt, je nach dessen 
Stande, Bange, Alter, Lande und der Art seiner Bildung. 
Man versucht ein wenig und berührt verschiedene Gegen- 
stände, bis man einen solchen Endet, welcher das Modell hin- 
länglich interessirt und es auffordert, selbst davon zu sprechen. 
Wenn die Person zu schüchtern, oder noch etwas Schlimmeres 
ist, so hilft man sich mit dem Geist eines Dritten, welchem sie 
zugethan ist, und bittet den, die Unterhaltung nicht fallen zu 
lassen. Diese Gespräche dienen alsdann zu mehrerer Annäherung 
und vertrauter Bekanntschaft mit dem Modell, und es entsteht 
daraus mehr Zutrauen und weniger Gezwungenheit in den Sitzun- 
gen. Allein der grösste Vortheil liegt in dem Ausdruck des Le- 
bens, welchen das Modell darbietet, indem es mit uns spricht 
und uns ohne Zwang, und fast ohne daran" zu denken, ansieht. 
Während der Zeit studirt man das natürliche Spiel seiner Physio- 
gnomie und der Muskeln, die man besonders hervortreten lassen 
muss; man erinnert sich ihrer von Zeit zu Zeit, um sie mehr 
oder weniger hervorzuheben, selbst alsdann, wenn sie in dem 
Augenblick, in welchem man diese Parthieen malt, nicht genau 
mehr dasselbe Ansehen haben sollten. Wenn man nicht ein wenig 
aus dem Gedachtniss malte, so würde man selten dahin kommen, 
einem Portrait Leben und Seele zu geben; man würde Gefahr 
laufen, bald das eine Auge heiter, das andere traurig, bald 
einen Muskel angeschwellt und auf einer Seite des Gesichts ge- 
hoben, hingegen den auf der anderen Seite correspondirenden 
Muskel schlaff und abgespannt zu machen. Ich behaupte 11101111, 
dass man schlechterdings aus dem Gedächtniss malen soll und 
ohne die Person vor sich zu haben; allein anstatt zu seinem Modell 
 13:: 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.