Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337153
Allgemeine 
Rathschl 
äige 
für 
Portraitmalcr. 
271 
bis man einen Umriss und das dazu Gehörige schnell, geistreich 
und vollkommen richtig machen kann. Auch setze ich voraus, 
dass man in der Theorie der Schatten kein Fremdling ist, und 
dass man lange Zeit nach Gyps und nach der Natur, entweder 
auf weissem Papier, oder auf gefärbtem Papier mit weisser Kreide 
gehöhet, gezeichnet hat, um die Bedeutung derselben zu begreifen. 
Hierauf male man einige Köpfe, Arme, Hände, Brust etc. 
nach Gypsabgüssen, dies wird uns für die Behandlung der Farbe 
etwas vorbereiten, ohne dass man durch eine Masse farbiger 
Töne, wie man sie in der lebenden Natur sieht, zu sehr beschäftigt 
würde. Nach dieser Uebung copire man ein oder zwei Gemälde, 
die besten, die man haben kann, und wahle einen männlichen 
Kopf von mittlerem Alter, der charakteristisch sowohl in den 
Ziigen, als im Ton der Farben ist. Ich will damit nicht sagen, 
dass das Colorit des Gemäldes sehr braun, sehr blass oder sehr 
roth sein müsse, sondern das Colorit einer Person von guter 
Constitution, damit die verschiedenen Töne weniger unbestimmt 
und einförmig sind, wie in einigen Fallen, wenn die Oarnation 
blass, roth oder überall zu gleichmässig von der Sonne ver- 
brannt ist. 
Hierauf unternehme man ein Portrait nach der Natur, und 
wähle zum ersten Mal ein Individuum zu Modell, das ein solches 
Colorit hat, wie das Gemälde, wovon ich eben geredet, aber nur 
nicht das Gesicht eines Kindes, noch einer sehr alten, auch nicht 
einer jungen Person, denn diese Aufgabe würde zu schwer sein. 
Die Kinder sitzen nicht gut und haben keine ausgeprägten Ge- 
sichtszüge; alte Leute haben zu viel Einzelheiten, und junge 
Personen zu zarte Farbe und Züge. Einem Menschen von reifem 
Alter wird das Sitzen weniger schwer, und es ist wahrscheinlich, 
dass er besser sitzen wird  als jede andere Person, die zu 
1) Gut oder schlecht sitzen, heisst, die Stellung und Lage, welche der 
Maler gewählt hat, mehr oder weniger lange Zeit aushalten. Man sagt, eine 
Person sitzt nicht gut, wenn sich während einer Sitzung von zwei, drei Stunden 
ihre Gesichtszüge und der gewölmliche Ausdruck verändert, Ermüdung und 
Verdruss zu erkennen ist. Man sagt auch, dass die Person schlecht sitzt, wenn 
sie sich beständig bewegt und den Kopf nicht in der Lage beibehält: die V01" 
geschrieben ist.
        

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