Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337131
Auühssungs. 
269 
Wollte man auf diese Art eine kleine Unbequemlichkeit ver- 
meiden, so würde man in eine viel beträchtlichem verfallen. Es 
erfordert das ganze Talent eines sehr geschickten Künstlers, wenn 
ein Kopf bei solcher Beleuchtung rund modellirt erscheinen soll; 
was würde aber daraus, wenn ein Lehrling dies unternehmen 
wollte? wahrscheinlich würde er einen Kopf machen, so platt wie 
seine Leinwand. Ist es also nicht gerathener, seinen Vortheil 
besser zu benutzen, indem man eine Beleuchtung wählt, die eine 
gute Wirkung hervorbringt und die Mittel erleichtert, um der 
Malerei Rundung zu geben, wenn man auch in der Folge die 
Krümmungen der Haut in so weit mildern muss, als sie sich dem 
Auge unangenehm darstellten. 
Man wird mir einwerfen: ich verlangte also, dass man den 
Personen in ihren Portraits schmeichle. Ich antworte hierauf, dass 
dieses kein grosses Uebel sein würde, und es in jedem Fall besser 
ist, die Aehnlichkeit mehr schön als hässlich zu machen. Allein 
ich gehe noch weiter, und hoife zu beweisen, dass, wenn man 
eine Person in gewissen kleinen Eigenheiten zu verschönern 
sucht, man blos gerecht handelt, ja man vergütet in etwas durch 
dieses Mittel tausend andere angenehme und vortheilhafte Dinge, 
die man in dem Modell nicht hat erreichen können. 
b Kann man sich wohl denken, dass eine Person (besonders 
eine junge Dame), die man vor sich auf einem Stuhl angenagelt 
hat, die sich nicht frei bewegen kann, lange Zeit alle Grazie und 
das ihr eigenthümliche Spiel der Physiognomie, das Jeder an ihr 
kennt, wird beibehalten können? Was wird aus der Beweglich- 
keit ihrer Gesichtszüge und aus, alle dem Zauber werden, den sie 
in der Gesellschaft in einer munteren und angenehmen -Unter- 
haltung zeigen kann? Der Ausdruck von Glück und befriedigter 
Eitelkeit weicht dem des Zwanges und Verdrusses, die ein Mensch 
bei einer langen Sitzung empfindet, und besonders Damen. Wenn 
man zu diesen Nachtheilen noch das Tageslicht hinzufügt, in 
Vergleich zu dem der Kerzen, so muss man gestehen, dass man 
genug zu thun hat, um in der Kunst Mittel zu finden, dem Modell 
durch Frische der Farbe zu schmeicheln, um von einer Seite 
wieder zu gewinnen, was man auf der anderen verliert. 
Allein man bilde sich nicht ein, dass man aus allen jungen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.