Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337113
Zufällige 
Runzeln. 
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telbair auf eine Schattenmasse gesetzt würde, sie auf derselben 
als ein viel hellerer Fleck erscheinen würde. Ueberdies hat jede 
Runzel oder Falte ein Licht neben dem Schatten, welches die 
Wirkung der Stärke im Schatten der Falte verdoppelt. "Man 
muss eine Runzel mit der hellen Parthie anfangen zu machen, 
alsdann ist man wegen der Farbe weniger verlegen, die man für 
den Zug anwenden will, welcher den Schatten bildet. 
Ich hielt es für nöthig, mich hierbei aufzuhalten, weil alle 
Anfänger den Fehler haben, auf diese Kleinigkeiten einen zu 
grossen Werth zu legen, und öfters von Unwissenden durch ab- 
geschmackte und irrige Lobeserhebungen dazu gereizt werden. 
Wer ist nicht tausend. Mal. von den Lobeserhebungen Zeuge 
gewesen, welche der grosse Haufe auf dergleichen Dinge ver- 
schwendet; sie schreien über die Treue des Schülers, der nicht 
vergessen hat, den geringsten Fleck und Eigenheit der Haut zu 
bemerken, und beurtheilen die Vollkommenheit der Arbeit blos 
nach diesen Kleinigkeiten.  
Die Personen. deren Portraits so vorgestellt werden sollen, 
werden sich niemals über diese Art von Treue freuen, die sie zu 
hässlich macht; sie haben Ursache, sich darüber zu beklagen  
1) Man glaube ja nicht, dass die vollkommene Aehnlichkeit eines Portraits 
hlos von einer strengen Treue der Form und der Einzelheiten wesentlich ab- 
hange. Man macht öfters P-ortraits, die Zug für Zug getreu sind und dennoch 
wenig oder gar keine Aehnlichkeit haben und keinem Menschen genügen. 
Man Vepgleiche jede Form, jede Proportion, man findet sie richtig, und den- 
noch wird die Person kaum kenntlich sein. Woher kann diesesanders kommen, 
als daher, wenn der Maler nicht verstanden hat, die Miene des Kopfes und 
den wahren Ausdruck der ganzen Figur aufzufassen. Hierin liegt die aller- 
grösste Aehnlichkeit. Dies ist so wahr, dass,'wenu wir Gelegenheit haben, das 
Bild einer Person in einem convexeu oder concaven Spiegel zu sehen, welche 
die wahren Verhältnisse des Gesichts und aller Züge verwirren, wir über diese 
Verwandlung lachen; allein es hindert uns nicht, dasselbe Individuum wieder 
zu erkennen, weil dessen Ausdruck noch aus diesem untreuen und lächerlichen 
Bilde herausblickt. Wenn die genaue Aehnlichkeit blos von der Bildung der 
Gesichtszüge und tausend kleiner Runzeln der Haut abhängig wäre, wie könnte 
es so häufig geschehen, dass ein hässlicher Mensch dennoch seiner viel schö- 
neren Schwester ähnlieh sehen, oder dass ein junges Kind uns an seinen Vater, 
Mutter oder Grossvater erinnern kann? Dies liegt gewiss nicht in der Aehn- 
lichkeit der Gesichtszüge, welche diese Aehnlichkeit hervorbringen, sondern in 
dem Spiele der Gesichtsmuskeln, in gewissen Bewegungen, gewissen liüohtigeu
        

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