Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337107
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I16( 
A chtzehnte 
xtion. 
Uehermalung. 
Hitzblasen, kleine Leberfiecke, die man hier und da auf der Haut 
sieht, es sei denn, dass diese Merkmale sehr sichtbar sind, oder 
die Person es verlangt, dass man sie andeute, und dennoch muss 
man sie nur "obenhin und auf eine milde Art angeben, damit kein 
harter und abgesonderter Fleck dadurch entsteht. Eben so wenig 
muss man Warzen und Pockengruben copiren, wenn sie nicht 
auffallend sichtbar und zur Aehnliehkeit nothwendig sind, auch 
die Runzeln" und kleinen {Falten der Haut muss man nicht trocken 
nachahmen. Sollte man sie aber nicht vermeiden können, so 
male man sie verschmolzen, weich und wenig kenntlich; denn der- 
gleichen Gegenstände bleiben allezeit sichtbar genug. 
Indessen giebt es Falle, in welchen man die Falten nicht 
vermeiden, sondern sehen lassen muss, wenn man nämlich eine 
alte Person malt von funfzig bis fünfundfunfzig Jahren und dar- 
über. In diesem Alter "kann man auf jugendliches Aussehen keine 
Ansprüche mehr machen, besonders ein Mann. Wollte man alle 
Runzeln weglassen, so würde man dem Alter seinen Charakter 
benehmen, mithin auch die Aehnlichkeit; allein man muss nur die 
sichtbarsten Falten, und diese ohne Trockenheit malen, sie müssen 
nämlich nicht durch trockene und harte Striche angedeutet sein, 
wie dieses von Anfängern und fast allen Dilettanten geschieht. 
Man besorge nicht, dass diese Runzeln nicht stark genug ange- 
deutet werden, denn sie bleiben allezeit sichtbar genug. Ich 
sage dieses, abgesehen von der kleinen Eitelkeit des Modells, 
denn bei einem Kopf aus der Phantasie, oder," bei einem histo- 
rischen Gegenstande, wird man fast niemals hierin fehlen. Der 
Grund davon ist folgender.  
Diese Fehler der Haut erscheinen uns deshalb so bemerkbar, 
weil wir sie während des Malens viel aufmerksamer betrachten, 
als im Umgang mit alten Leuten. Wenn wir aber beachten, dass 
diese Runzeln und andere Mangel gemeiniglich von einem starken 
Lichte umgeben sind, so wird man sehen, dass sie uns blos star- 
ker erscheinen, als sie- wirklich sind. Um uns davon zu über- 
zeugen, so vergleiche man den starksten Schatten dieser Runzeln 
mit der Dunkelheit der Schatten, und man wird sich überzeugen, 
dass sie ihr nicht nahe kommen, und dass, wenn ein Bischen 
von der mehr oder weniger dunklen Farbe dieser Falte unmit-
        

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