Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337074
Wirkung. 
Allgemeine 
Illusion. 
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Hierdurch kann man sich überzeugen, wie richtig der Ton 
sein muss, mit welchem man malen muss, um eben diese Täu- 
schung zu erreichen, und man wird zugleich bemerken, dass man 
die Schatten schlechterdings mit solchen Farben behandeln muss, 
welche die Lichtstrahlen nicht zurückwerfen, und dass man sie 
sehr gleichmässig und dünnauftragen muss, damit keine zufällige 
Dicke das Licht auifängt und etwa die kleinen Erhabenheiten der 
Farbe erglänzen lässt. Jene Illusion wird nicht immer von Per- 
sonen, welche die Arbeiten grosser Meister in der Nähe betrach- 
ten, lebhaft bemerkt, allein in einer gehörigen Entfernung bei 
merkt man diese Täuschung ganz gewiss in guten Theaterdeco- 
rationcn, deren Ausführung weit weniger Talent erfordert, als ein 
gutes Gemälde. Durch die Anordnung derwerschiedenen Stücke 
und der Coulissen, besonders aber durch die Art, wie das Licht 
vertheilt ist, geschieht es, dass öfters mittelmässige Gemälde mehr 
täuschen, als die besten Staifeleibilder. 
Alles dieses beweisen auch die Panoramen und besonders die 
Dioramen. Gewiss haben diese Malereien, ob sie gleich sehr 
schön und vollkommen verstanden sind, nicht alle Kraft und Fein- 
heiten des Tones, wie die Gemälde eines Claude Lorrain, 
Berghem, Ruisdael, Vernet, Wouvermans etc; allein die 
Entfernung, aus welcher man sie betrachtet, ohne sich ihnen mehr 
zu nähern, und besonders die magische Kunst, mit welcher man 
das hellste Licht über diese Malereien zu verbreiten versteht, 
ohne dass der Zuschauer erkennen kann, woher es kommt, dieses 
sind mächtige Mittel, um diese Täuschung hervorzubringen. Fügt 
man zu alle dem noch dieses hinzu, dass man nirgends die Gren- 
zen des Gemäldes sieht, und dass derZuschauer auf einen nur 
wenig erhellten Ort gestellt ist, während ihm das Panorama oder 
Diorama durch diesen Gegensatz und Kunstgriff auf das Glän- 
zendste erleuchtet erscheint; so wird man begreifen, dass, wenn 
dergleichen Werke durch eine geschickte Hand ausgeführt sind, 
sie, "besonders bei leblosen Gegenständen, eine bewundernswür- 
dige Wirkung machen müssen. Ein an der Wand aufgehangenes 
Gemälde, so schön und vollkommen es auch sein mag, hat nicht 
dieselben Vortheile, man ist nahe genug daran, um jede Kleinig- 
keit unterscheiden und jeden Zweifel über eine Parthie, die täu-
        

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