Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337022
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Lection. 
Achtzehnte 
Uebermaluug. 
angrenzenden, und immer mit dem Ganzen, sowohl in An- 
sehung der Ebrm, als auch in Bezug auf den Ton der 
Farbe und der Abstufung des Lichts und Schattens, zu 
vergleichen. 
Um diesen Grundsatz zur Ausführung zu bringen, 
muss man von zwei Punkten der Vergleichung ausgehen, 
einerseits der grössten Stärke in allen Schatten, und 
andererseits dem höchsten Licht.  Diese beiden iiusser- 
sten Punkte sind die entgegengesetzten Grenzen, denen 
man alle dazwischenliegende Lichter und Schatten unter- 
ordnen muss, Bei jedem Schatten, den man anfangen 
will, muss man sich fragen, um wie viel er an Stärke ge- 
ringer ist, als der allerstärkste. Um dieselbe Frage han- 
delt es sich bei allen hellen Tönen in Vergleichung mit 
den allerhellsten, und ebenso bei allen Halbtönen und bei 
den geringsten Schattirungen irgend einer Fleisehparthie, 
besonders im Kopfe, der sehr viele Details enthält, auf 
deren Uebereinstimmung viel ankommt. In dieser Weise 
gelangt man gewiss zu einer vollkommenen Harmonie; 
nichts wird im Ganzen verunstaltet; man wird allezeit 
die Form, die Rundung und den rechten Ton beobachten. 
Wenn man über das, was ich eben gesagt habe, genau nach- 
denken will, so wird man begreifen, dass, so gut auch ein Kopf, 
was den blossen Umriss betrifft, gezeichnet sein mag, er doch 
ganz verdreht und ausser Verhaltniss erscheinen wird, wenn man 
durch eine falsche Vertheilung der Lichter und Schatten solche 
Parthieen hervorspringend macht, die zurückweichend erscheinen 
sollten, oder wenn man das zurückweichend macht, was hervor- 
springend scheinen sollte. Denn wenn in einem Kopfe, man mag 
ihn en face oder drei Viertel gewendet sehen, es uns scheint, 
dass die Nase hervorspringt etc. und die Ohren zurück, so ent- 
steht diese Wirkung blos durch die Abstufungen des Lichtes 
und des Schattens, und es ist klar, dass, wenn diese in ihrer 
Wechselwirkung nicht vollkommen richtig angegeben sind, daraus 
nothwendig eine gänzliche Unordnung in den Formen und iPro- 
portionen entsteht; man wird die Wange hervorspringender machen
        

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