Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337009
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Achtzehnte Lection. 
Uebermalung. 
sich dabei anzustrengen, als wolle man einen Strich machen, der 
eben so fein als ein Haar sein soll. Es ist auch erlaubt, an 
Stellen, worauf wenig Haare sind, einige feine Striche zu machen, 
so besonders an den beiden Enden der Augenbraunen, und zwar 
am häufigsten an den Extremitäten, wo die Schlafe angrenzen. 
Man nehme kein Casseler Braun, um die Augenbraunen zu 
malen, sondern begnüge sich mit dem Brann, das man mit dem 
Pinsel aus Schwarz, Gelb und rothem Ocker zusammensetzt. 
Dies wird dazu braun genug sein, wenigstens läuft man nicht 
Gefahr, einen Theil der Fleischfarbe durch Vermischung mit pech- 
haltigem Braun zu verderben. Man wird noch immer bei einer 
dritten Retouche Zeit haben, die Mitte der stärksten Schattirun- 
gen mit einem gemischten Braun zu lasiren, das man nach dem 
Ton, der für die Färbung der Augenbraunen passend ist, modi- 
ficirt. Allein selten darf man sich erlauben, in der Schattenmasse 
der Parthie, wo die meisten Haare sind, einzelne Pinselstriche 
anzubringen. Was die blonden oder kastanienbraunen Augen- 
braunen betrifft, so befolge man die nämlichen Grundsätze, und 
vermeide mit noch mehr Aufmerksamkeit sie zu hart, trocken, 
sclavisch und Haar um Haar zugezahlt zu machen. Man studire 
gut in Oel gemalte Portraits, um sich von dem, was ich jetzt ge- 
sagt, noch besser zu überzeugen; auf einen blossen Kupferstich 
allein, besonders auf einen solchen, der mit dem Grabstichel ge- 
macht ist, darf man sich nicht verlassen, in einem solchen wird 
man auch immer Striche sehen, wodurch man vielleicht gerade 
in den Fehler verfallen könnte, vor welchem ich zu warnen ge- 
sucht habe. 
Was ich bisher gesagt habe, ist eben so gut auf die Augen- 
wimpern anwendbar, welche die Augenlieder begrenzen. Man 
muss sie niemals einzeln, sondern in Masse andeuten, wie man 
sie in Verkürzung sieht und sie sich dem Künstler darstellen, wenn 
er nicht das Proül eines Kopfes macht, sondern denselben en face 
oder Dreiviertel-Proiil malt. Diese Darstellung der Augenwimpern 
muss weich und ohne die geringste Harte gemacht sein, harmo- 
nische Halbtöne müssen den Zug der Wimpern begleiten; der 
Strich muss nicht überall gleich stark sein, sondern an den bei- 
den Enden sich verlieren und verschwinden, besonders an der in-
        

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