Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336997
Uebermalung der Augen. 
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oder weniger feine und weisse Haut hat. Die Augenbraunen dür- 
fen nicht durch einen einförmigen Strich gemacht werden, wie 
sehr viele Unwissende es thun. Man muss das Fleisch anlegen, 
das durch die Haare schimmert und zugleich immer durch die 
Masse dieser Haare mehr oder weniger beschattet wird. Ueber 
diese Anlage, auf welche man die Farbe so dünn als möglich 
aufträgt, malt man die Augenbraunen selbst, indem man sich 
bemüht, ihnen die wirkliche Form zu geben, die'sie im Modell 
haben 1), und indem man sie schwach oder stark andeutet, so 
wie es die Natur zeigt. Es geschieht mehr als zu oft, dass ein 
Anfanger gar keinen Unterschied macht zwischen der beleuch- 
teten Parthie der Masse der Haare und der beschatteten in star- 
ken Augenbraunen, wodurch ihnen alle Rundung benommen wird. 
Diesen Fehler muss man vermeiden, sowie auch den noch ge- 
wöhnlicheren, die Augenbraunen hart unmittelbar an das Fleisch 
zu malen; sie müssen sich im Gegentheil sanft verlieren, indem 
man sanfte Halbtöne daneben legt, die immer an den Rändern 
sind, wodurch man die einzelnen feinen kleinen Haare nachahmt, 
die man sich sehr in Acht nehmen muss, einzeln wiederzugeben 
(was sehr mager und hart erscheinen würde); sie müssen viel- 
mehr eine solche Wirkung hervorbringen, als wenn man sie in 
einer Entfernung von vier bis fünf Fuss sähe, in welcher man sie 
blos als Masse unterscheiden kann. Es giebt einige, aber sehr 
seltene Fälle, in welchen man sich erlauben kann, drei, vier ein.- 
zelne Haare aus der allgemeinen Masse herauszuheben, wenn man 
nämlich einen Greis malt, dessen Augenbraunen und Haare weiss 
geworden sind; bei diesem sieht man ziemlich deutlich bald da 
bald dort einige Haare, die viel langer und weisser als die übri- 
gen sind. Allein diese zerstreuten Harchen muss man in einer 
freien Manier malen und gleichsam mit schwebender Hand, ohne 
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1) Es ist um so wichtiger, die Form der Augenbraunen vollkommen nach- 
zuahmen, weil sie ihre Umrisse nach der Form der Stirn selbst annehmen, und 
weil sie über der Augenhöhle, die das Auge beschützt, am Rande des Stirn- 
beins aufgepiianzt sind. Man würde also widersinnig handeln, wenn man den 
Augenbraunen, die auf einer wenig gebogenen und flachen Stirn sich beünden, 
eine gekrümmte Form geben, oder wenn man sie auf einer runden Stirn in ge- 
rader Linie malen wollte etc.
        

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