Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336973
Blau. 
Schwarz und 
Anwendung des 
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bestmöglichsten Vortheil für die Parthie, welche man gerade malt, 
zu ziehen.  
Ich sehe einer Frage entgegen, die ich im Voraus beantworten 
muss: Warum bedient man sich der schwarzen Farbe, um alle 
die Mischungen zu machen, die man bei der Vollendung eines Ge- 
maldes mit schönem Blau machen muss? Weil man dieses Blau 
doch durch die Vermischung mit Schwarz, Gelb und Roth ab- 
dampft, wird es wohl besser sein, nur Schwarz bei der Untermalung 
zu gebrauchen, wenigstens ist es sparsamer. 
1) Das Schwarz ist, wie man sagt, nur ein unvollkommenes 
Blau, immer ist es gut, ein seiner Natur nach mehr bläuliches 
als biaunliches zu wählen; und überdies, da man bei dem Colo- 
riren des Fleisches, selbst bei der Untermalung, etwas Blau hinzu- 
setzen muss, z. B. von dem 'l'henard'schen Blau, wenn man in 
einer warmen und trocknen Jahreszeit malt, oder Schmalte, wenn 
es feuchte und kalte Witterung ist, so kann man sogar in Er- 
mangelung dieser beiden blauen Farben ein schönes englisches 
Berlinerblau an deren Stelle gebrauchen. 
2) Es würde kostbar sein, bei einer Untermalung, die man 
nachher überall von Neuem deckt, das Ultramarin zu gebrauchen. 
Was die blauen Farben aus Kobalt betrifft, nämlich die Schmalte 
und das reine Thenardsche Blau, so decken sie bei der Unter- 
malung die Leinwand nicht genug; auch ist es nicht nothwendig, 
dass die Töne'einer Untermalung eben so rein sein müssen, 
als die, welche man bei der Vollendung des Fleisches darüber 
legt. Die von mir angegebenen schwarzen Farben geben sehr 
sanfte und harmonische Töne, und was noch mehr ist, sie verbin- 
den sich besser mit den anderen Farben, und decken mehr. Das 
Berlinerblau, ohne Zusatz von vielem Schwarz, würde ausseror- 
deutlich harte und schneidende Töne geben, und überdies mit der 
Zeit, wegen seiner durchdringenden und zerfressenden Natur, die 
Farben angreifen und die Töne verderben. 
Was den Gebrauch des Ultramarins bei den Untermalungsn 
betriift, so muss man ihn blos für eine reine blaue Luft anwen- 
den; dies ist eine so zarte Parthie, dass man sich nicht der 
Gefahr aussetzen darf, durch die erste Anlage mit einem schlech- 
ten Blau Flecken zu bekommen. Eben so verhält es sich mit den
        

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