Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336963
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Lection. 
Achtzehnte 
Uebermalung. 
Arbeiten durchscheinen lasse. Allein ich wiederhole es, die Mi- 
schungen von Weiss und allen übrigen Deckfarben  machen in 
der Aquarelle eine schlechte Wirkung, und man muss sie so viel 
als möglich vermeiden. 
Es war festgestellt, dass.man in allen Arten der Malerei, 
ausgenommen in der Aquarelle, nicht allein Schwarz und Weiss, 
sondern auch mehrere Schattirungen von Roth, Blau und Gelb 
nöthig hat, und dass wir, um die Hülfsmittel zu vergrössern, auch 
noch Farben von verschiedener Natur bedürfen, einige körperlich, 
um zu decken und Licht aufzusetzen, und andere durchsichtig 
zum Lasiren, ohne das Untere zu decken. 
Nichtsdestoweniger bleibt es aber immer eine Wahrheit, 
dass jede Palette eines Malers auf den prismatischen Farben be- 
ruht, denn es giebt keine anderen in der Natur 2). Alle Kennt- 
niss beruht also darauf, dass man weiss, wie viel man von jeder 
dieser drei Farben nehmen muss, wenn man eine oder die andere 
vermischt, um einen gesuchten Ton zu erhalten, und wie viel man 
von Schwarz oder Weiss hinzusetzen muss, um sie abzudampfen 
und dunkler zu machen, oder im Gegentheil, um sie heller und 
lebhafter zu machen. 
 Von diesem Grundsatze ausgehend, bleibt nun nichts weiter 
übrig, als die Beurtheilung, von welcher Art diese rothen, blauen 
und gelben Farben, sowie die verschiedenen braunen und schwar- 
zen Farben vorzugsweise sein müssen, die in dem vorkommenden 
Fall erforderlich sind. Eben dieses ist es, was ich zu lehren be- 
müht gewesen bin, indem ich die Mischung von zwei Paletten 
angegeben und kurz bemerkt habe, zu welchem Gebrauch man 
alle diese verschiedenen Farben anwenden soll, um davon den 
 
1) Man nennt Deckfarben alle diejenigen, die ihrer Natur nach körper- 
lich genug sind, um den dunklen Grund, worauf man malt, zu decken, dergestalt, 
dass man, anstatt die Lichter eines Gegenstandes zu sparen, sie mit körper- 
lichen Farben ergänzt. So verfährt man in der Gouache-Malerei, welche Art 
Malerei man fast eben so wie die Aquarelle behandelt, aber man fängt mit der 
Luft an, indem man sogleich Weiss darunter mischt und wie in der Oelmalerei 
die Töne abstuft.  
2) Man sehe Seite 59 den Artikel vom zusammengesetzten Braun, wo man 
einige Bemerkungen linden wird, die mit denen über die ursprünglichen Far- 
ben übereinstimmen.
        

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