Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336941
250 
Lection. 
Achtzehnte 
Uebermalung. 
Blau, und Gummigutti für das Gelb, oder, was noch besser ist, 
das Indisch Gelb. Diese drei Farben sind durchsichtig, erscheinen 
sehr licht oder sehr dunkel, je nachdem man sie, wenig Farbe 
mit vielem Wasser aufgelöst, ausbreitet, oder viel Farbe in einer 
kleinen Quantität Flüssigkeit. Im ersten Falle ist der Färbestoff 
so leicht und vertheilt, dass die Färbung dem Auge kaum sichtbar 
ist; hingegen im zweiten Falle hat die Farbe alle Intensität und 
Dunkelheit, deren sie fähig ist. 
Folglich giebt eine sehr leichte Färbung von Carmoisinlack 
blos ein zartes Rosa; eine sehr leichte Lage von dem Blau, das 
ich genannt habe, giebt ein Himmelblau, und noch viel heller, 
wenn man will. Die genannten gelben Farben, ob sie gleich ihrer 
Natur nach sehr goldig "sind, können blos ein kaum merkbares 
Gelb geben, wenn man davon nur wenig in vielem Wasser auf- 
löst. Auf diese Art colorirt man die geographischen Karten und 
Kupferstiche. Man wird wohl einsehen, dass, je leichter eine Lage 
oder Färbung, desto mehr scheint die weisse Farbe des Papiers 
durch, und so stufenweise, bis zu den dunkelsten Schatten; dies 
ist in dieser Art Malerei dasselbe, wie wenn man mehr oder 
weniger Weiss zu den Tönen setzen wollte, wie dieses in allen 
übrigen Arten der Malerei geschieht, in welchen man den Grund 
mit mehr oder weniger körperlichen Farben deckt, wie in der 
Gouache-, Tempera-, Oel- und Fresko-Malerei. 
Man kann also sagen, dass die Lasuren, und sogar die Un- 
tertuschungen in der Oelmalerei, mit der Aquarelle sehr viel 
Aehnlichkeit haben, weil man sie nur mit transparenten und sehr 
dünn aufgetragenen Farben ausführt. 
Diese Abschweifung führt mich zu der Erklärung, wie man 
mit den drei ursprünglichen Farben alle übrigen Farben zusam- 
mensetzen kann. Allein ich werde mich blos auf einige Details 
beschränken, weil dieses nicht wesentlich zu meinem Gegenstande 
gehört.  
1) Mit Carmoisinlack erhält man mehr oder weniger Scharlach- 
oder Orangefarben, wenn man einen leichten gelben Ton vorher 
unterlegt hat, den man trocken werden lässt, ehe man den Lack 
darüber bringt. Dadurch erhält man ein lebhafteres Roth, als 
wenn man diese beiden Farben vorher mit einander vermischt.
        

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