Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336906
246 
Achtzehnte Lection. 
Uebermalmlg. 
bräunlich, ein wenig Blau und mehr Gelb. Ist der Halbton rein 
grau, so muss der Ton, um die warmrothe Untermalung zu decken, 
aus einer Mischung von Gelb, rothem Ocker und Ultramarin zu 
gleichen Theilen bestehen. Diese Farben werden eine Art von 
Grau hervorbringen, welches, mit Hinzusetzung der gehörigen 
weisslichen Localfleischfarbe, den verlangten Ton geben wird. 
Allerdings muss man mit ganz kleinen Portionen von allen 
den Tönen, die ich eben beschrieben habe, auf der Leinwand 
Versuche anstellen, um den richtigen Ton zu erhalten, dessen man 
bedarf und der erlangt werden muss, je nachdem die Stelle eine 
andere ist, wodurch die Wirkung sich verändert und demgemass 
auch der Ton der Farbe. Uebrigens wird man auf der Palette 
diese Töne beinahe schon fertig finden; sie werden sogar schon 
mit mehr oder weniger Weiss gemischt sein, je nachdem man sie 
aus der zweiten oder dritten Stelle aus jeder Reihe nimmt; und 
da man gleich Weiss, woraus alle die verschiedenen Töne der 
Palette zusammengesetzt sind, und man nicht auf Gerathewohl 
arbeitet, so Weiss man gewiss, dass man das nimmt, was man 
nehmen soll, um diese oder jene warmrothe Untermalung damit 
zu decken. Auf diese Art haben die berühmtesten Ooloristen, 
ein Titian und Vandyk, gearbeitet; eben diese Methode befolg- 
ten Vanderhelst, Ravenstein etc, und mehrere der besten 
Maler und Coloristen der neueren Zeit bedienen sich dieser vor- 
trefflichen Praxis. Was wir bisher in Bezug auf die anderen 
und die mehr oder weniger starken Halbtöne gesagt haben, ist 
besonders auch auf die eigentlichen Schatten anwendbar, aber 
weit weniger auf die Reflexe. Zu den Schatten darf kein Weiss 
genommen werden, im Gegentheil muss der Ton, womit man die 
Untermalung deckt, mehr oder weniger dunkel sein, als diese. 
Dies ist das Mittel, dem Tone des Schattens Tiefe zu geben, 
damit er nicht mehlig 1) wird. Aus diesem Grunde muss man 
1) Man nennt die Töne mehlig, die von viel weisseren und viel helleren 
Farben gemacht sind, als die Untermalung. Folglich, wenn man einen breiten 
und starken Schatten mit einem Ton übergeht, in welchem Weiss, Neapelgelb, 
oder eine andere sehr undurchsichtige Farbe sich befindet, so bringt dies 
einen ähnlichen Schein hervor, als wenn Marmor oder ein Mahagoni-Möbel mit 
Staub oder Mehl bedeckt ist.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.