Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336893
Uebermalung der Halbtöne. 
Anleitung zur 
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weisse F leischfarbe hat. Je weisser dieses Zellgewebe der Haut 
ist, desto mehr erscheinen uns die Adern schönblau. 
In gewisser Beziehung verhält es sich mit verschiedenen zu- 
rückweichenden Halbtönen, wenn sie mehr oder weniger bläulich, 
grünlich, oder hell violett etc. sein sollen, eben so. Man kann 
sie auf eben diese Weise erhalten, ohne auf der Palette den Ton 
selbst so zu nehmen, wie er uns in der Natur erscheint. Wenn 
man sich an diese geheimnissvolle Methode, diese zurückweichen- 
den Töne hervorzubringen, gewöhnt hat und darin geübt ist, so 
nähert man sich weit mehr der genauen Nachahmung des natür- 
lichen Colorits, dergestalt, dass derjenige, welcher ein nach die- 
sem Grundsatz verfertigtes Gemälde copiren wollte, sich vergebens 
quälen würde, wenn er die ausserordentliche Durchsichtigkeit und 
Feinheit des Tons auf eine andere Weise erreichen wollte. 
Um diese Methode sich eigen zu machen, muss man natür- 
licher Weise bei der Untermalung sehr wenig oder gar keine bläu- 
lichen Töne heimischen, indem man sich Vorbehalt, sie durch das 
Mittel, dessen ich eben gedacht, zu erreichen. In diesem Falle 
müssen alle Töne, welche bläulich, grünlich-grau oder violett 
werden sollen, mit einem röthlich warmen Ton bei der Unter- 
malung nach dem Grade der Durchsichtigkeit der Haut mehr oder 
weniger angedeutet werden. Allein es ist auch nothwendig, dass 
man ihnen mehr Kraft, das heisst, mehr Dunkelheit giebt, als 
man gleich anfangs dem richtigen bläulichen Ton geben würde, 
weil die weisslichen Töne, welche man in halber Durchsichtigkeit 
und mit geringer Impastirung darüber legt, ihnen die Dunkelheit 
nehmen, die man bei der Untermalung angegeben hatte. 
Welches sind aber nun die mehr oder weniger gebrochenen 
Töne, welche der Künstler nehmen muss, die, wenn sie über die 
warmröthlichen Untermalungen leicht und durchsichtig gelegt wer- 
den, den Ton so abändern, dass derselbe nicht immer gleich 
blaugrau erscheint? Wenn der Halbton in der Natur grünlich 
erscheint, so mische man nach Bedarf in den weisslichen Ton 
ein wenig Grün, das mehr oder weniger bläulich oder gelblich ist; 
ist der Halbton sehr bläulich, so mische man in den weisslichen 
Ton ein wenig Blau. Fällt er in ein zartes Violett-Lila, so setze 
man ein wenig Rosa und unmerklich Blau hinzu; ist er roth-
        

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