Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336806
236 
Achtzehnte 
Lection. 
Uebermalung. 
Die kleinen Haarendigungen, die auf dem Fleische liegen, 
muss man blos mit Braun, aus Schwarz vermischt mit rothem 
Ocker, und bald von diesem, bald von jenem Gelb, je nachdem 
die Farbe es erfordert, die sie haben sollen, malen. Am gewöhn- 
lichsten nimmt man dunklen Ocker, die Casseler Erde aber brauche 
man noch nicht, denn ihre bituminöse und ungemein farbende 
Eigenschaft würde die Fleischfarbe schmutzig machen 1). Bei 
Uebermalung der Haare ist es noch Zeit genug, dieses anzuwenden 
und_mit leichten Pinselstrichen von dieser durchsichtigen Farbe 
die lVia-sse der Fleischfarbe flüchtig zu übergehen, wenn sie auch 
noch nicht trocken, aber doch fest genug ist, dass man nicht 
Gefahr lauft, eine mit der anderen zu vermischen. Uebrigens sind 
diese kleinen Haarendigungen, die sich auf die Fleischparthieen 
anlegen, gemeiniglich sehr durchsichtig, leicht und dünn, und er- 
scheinen niemals so braun, als die übrige Masse der Haare. Mithin 
ist die geringste Lasur von jedem anderen durchsichtigen Braun, 
vermischt mit mehr oder weniger Schwarz, Gelb oder Braunroth, 
hinlänglich, um ihre Farbe mit dem Localton der ganzen Masse 
in Harmonie zu bringen 2). 
Ich" werde noch Einiges über die Hintergründe hinzufügen. 
Ich sprach eben von dem Hintergrunds eines Himmels. Man 
vermeide, besonders in _einem Portrait, den Kopf auf ein reines 
Himmelblau abzusetzen: die Wirkung davon ist hart; ausserdem 
zerstört das Himmelblau, als die reinste und lebhafteste der Far- 
ben, eine blühende Fleischiarbe dergestalt, dass es wenige Colorits 
giebt, die, so hervorstechend sie auch sind, nicht in der Nähe 
1) Die Gasseler Erde hebt man auf, um die Masse der Haare zu malen, 
wenn sie sehr dunkelbraun sind; oder für die kräftigsten Massen oder Schatten- 
parthieen, wenn man nur hell-kastanienbraune Haare malt; aber man macht dies 
erst, wenn das Fleisch vollendet ist.  
2) Das zusammengesetzte Braun Nr. 27 oder das Preussische Braun Nr. 22 
ist fast in allen Fallen für diese Gegenstände hinreichend, ohne dass man seine 
Zuflucht zum Casselei- Braun nehmen darf, das so sehr nachschwarzt. Auch 
kann man zu einer dieser braunen Färben, um sie feuriger zu machen, wenn 
es nothwentlig ist, ein wenig von der gebrannten Terra di Siena hinzusetzen, 
uder, wenn es blonde Haare sind, von der ungebrannten Terra di Siena, damit 
man die erste mit Roth und die andere mit Gelb vermische, wie es gerade die 
Mischung erfordert. Diese beiden Erden sind sehr durchsichtig und nicht so 
pechhaltig, wie das Casselei" Braun.
        

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