Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336763
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Achtzehnte Lection. 
Uebermalung. 
die man zu mischen hat, von der Farbe der Haare, vom Blon- 
desten bis zum Dunkelbraunsten abhängen. 
Aus eben dem Grunde kann ich auch die Töne der Draperie 
nicht angeben. Diese muss ein Jeder nach der Farbe der Stoffe 
mischen, und davon einige auf einander folgende Töne, wie sie ge- 
rade an den Randern sind, machen. Man lasse sich nicht verführen, 
die Haare, die Gewänder oder irgend einen anderen Gegenstand 
weiter hinaus zu malen, als nöthig ist, um sie an den Rändern 
mit der Fleischfarbe sanft zu verbinden. Dies würde eine ver- 
gebliche Mühe sein, weil man alle diese Parthieen besonders 
wieder vornehmen muss, wenn das Fleisch vollendet ist; denn 
sonst würde von der Zeit, die man auf diese unnütze Arbeit ver- 
wendet, vielleicht Wenig übrig bleiben, um in einem Tage (so 
lange die Palette noch gut und frisch ist)_ die viel wichtigeren 
Arbeiten für die Carnation zu vollenden. 
Dessenungeachtet muss man mit aller Vorsicht, wie ich 
schon oben gesagt habe, die Parthieen der Haare, der Klei- 
dungen oder des Grundes, die man anfängt, nur mit einem sehr 
dünnen Auftrag von Farbe, die sich vier oder sechs Linien 
weit von den Fleischtheilen allmalig verliert, malen, damit keine 
zu dicke Farbe auf diesen Stellen ist, wenn man sie nach Been- 
digung der Carnation wieder übergehen will, um sie zu vollenden. 
Ich habe geglaubt, eine sehr vollständige Palette aufstellen 
zu müssen, obgleich ein grosser Theil der Töne für einen im 
Mischen geübten Künstler in der That überflüssig ist. Meine 
Absicht dabei war, mit dem Anfänger einen grossen Theil der 
Tonleiter durchzugehen, damit er sich eine vollständige Idee von 
den Mitteln machen kann, deren man sich in der Ausführung 
bedient; auch glaube ich zugleich wohlgethan zu haben, dass ich 
bei jeder Reihe die Anwendung dieser verschiedenen Töne für 
die verschiedenen Localfarben des Fleisches, sowie für die Modi- 
iicationen angeführt habe, denen sie in Folge der Lichtmasse, 
welche sie erhellt, oder der Dunkelheit, welche sie in den ver- 
schiedenen Stufen des Schattens erhalten, unterworfen sind. Ich 
wünsche, dass der Schüler von diesen zwei Paletten Gebrauch 
mache, so wie sie hier geordnet sind, aber nur einiger Monate 
hindurch, damit er in der Folge ohne Mühe und Gefahr sich
        

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