Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336666
222 
Achtzehnte 
Lection. 
Uebermalung. 
und überhaupt in den Schatten, zu dem Bart in den Reflexen etc. 
Dies ist der allgemeine Grundsatz. Ich verweise den Leser auf 
weitlaufigere Erklärungen, die er weiter unten antreffen wird. 
Man beachte allezeit, dass die Schatten Weiter nichts sind, als eine 
Fleischfarbe, die des jedesmaligen directen Tageslichts beraubt 
ist und nur sehr wenig von der wahren Localfarbe des Fleisches 
sehen lasst, wogegen die Halbtöne sich demselben mehr nähern, 
weil sie das wirkliche Tageslicht, obgleich schief und unvollkom- 
men, in Bezug auf die Stelle erhalten, von wo aus sie der Maler 
betrachtet. Was die Reflexe betrifft, so ist dies eine Sache für 
sich; sie sind in der That, sowie die Schatten, der directen Licht- 
strahlen "beraubt, allein die mehr oder weniger beleuchteten Ge- 
genstande, die in ihrer Nachbarschaft beündlich sind, werfen ein 
erborgtes Licht auf sie zurück, welches den Ton dieser Reflexe, 
die immer einen Theil der Localfarbe "des Gegenstandes selbst 
haben, der das Licht zurückwirft, mehr oder weniger modificirt. 
Uebrigens, wenn man streng unterscheiden will, ist Alles, im 
Schatten selbst, Widerschein. Eigentlich, genau genommen, sind 
nur tiefe Löcher ohne Reflex; denn wie könnte man sonst die 
Gegenstände, die im Schatten sind, unterscheiden? Sie würden 
uns ebenso schwarz und dunkel erscheinen, als ein Loch unter 
der Erde, wenn sie nicht von dem Widerscheine der umgebenden 
Gegenstände mehr oder weniger erhellt würden, denn wir ent- 
decken ja an denselben nicht nur viele Details, sondern wir 
können ihnen auch einen bestimmten Farbenton zuweisen. Diese 
Bemerkung ist hinreichend, um die Anfänger zu überzeugen, dass, 
weil man in den Schatten Licht sehen kann, man auch die wirk- 
liche Färbung desselben andeuten muss, mithin müssen sie durch- 
scheinend gemalt sein, das heisst dergestalt, dass man ihre schein- 
baren oder erborgten Farben erkenne, und zwar so genau und 
wahr, dass sie dem Auge nicht als unreine und schmutzige Flecken 
erscheinen, mit einem Wort,  man muss wirklich überzeugt wer- 
den, dass dieser Schatten von eben derselben Fleischfarbe ist, 
die wir überall sehen, und dass sie auf dieser Stelle blos des 
vollen Tageslichtes beraubt ist. Denn die Natur bringt auch 
keine andere Wirkung bei uns hervor, und Diejenigen, welche 
keine Maler sind, bemerken vielleicht kaum, dass sie an den
        

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