Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336584
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Siebzehnte Lection. 
Die 
Untermalung. 
Vorsichtsmassregeln 
beim 
Trocknen 
eines 
Gemäldes. 
Es bleibt nur noch_ übrig, die Untermalung trocknen zu lassen 
und durch Vorsichtsmassregeln, welche der gesunde Verstand 
l_ehrt, sie gegen Staub und gegen Beschädigung durch Kinder, 
Gesinde,'Thiere u. dgl. zu verwahren. Mit dieser Vorsicht kann 
man ohne Bedenken seine Untermalung dem Tageslicht, der freien 
Luft und selbst der Sonne aussetzen; denn bei dem Gebrauch 
der Farben, die. ich angegeben habe, kann man wegen ihrer 
Dauerhaftigkeit unbesorgt sein. Ein frisch gemaltes Bild stelle 
man niemals gegen eine Wand, denn die Erfahrung lehrt, dass 
die Ausdünstungen aus den Mauern, die das Oel vielleicht "anzieht, 
den Farben schädlich sind und sie sichtbar verändern; Gemälde 
bedürfen des freien Tageslichts, so dass im Winter, wenn die 
schlechte Witterung nicht erlaubt, die Untermalung an die freie 
Luft zu hängen, man sie wenigstens an "das Licht innerhalb der 
Fensterscheiben stellen muss. Allein in allen Fällen, es mag 
gutes oder schlechtes Wetter, kalt oder warm sein, mussman es 
so einrichten, dass die gemalte Seite vier oder sechs Zoll über 
die Basis des Rahmens vorgelehnt sei, damit die in der Luft 
schwebenden Atome, sowie überhaupt der Staub sich nicht so 
leicht auf die Oberfläche der Farbe anlegen kann. Wenn man 
nicht alle diese Vorsichtsmassregeln beobachtet, so hat man den 
Verdruss, auf seinem Gemälde einen Ueberzug von Staub mit 
Insecten vermischt zu sehen, der ohne Gefahr für das Gemälde 
nicht leicht abzunehmen ist. Man verdoppele diese Sorgfalt zur 
Vermeidung solcher Unannehmlichkeit, wenn man ein schon voll- 
endetes Gemälde trocknen lassen will, auf welchem man nicht 
mehr die oberste Haut der Farbe wegnehmen oder abschaben 
kann, wie auf der Untermalung. 
Täglich muss man seine Untermalung untersuchen, um Ge- 
wissheit zu erhalten, dass kein Unglück sich ereignet hat, und 
um zu wissen, wie das" Trocknen vorschreitet. Indessen ist 
es hinreichend, diese Untersuchung täglich einmal vorzunehmen. 
Wenn übrigens das Gemälde der Luft dergestalt ausgesetzt ist, 
dass Regen, Schnee oder Hagel darauf fallen könnte, so muss 
man Sorge tragen, dasselbe vor dem Unwetter zu schützen.
        

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