Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336557
Untermalung 
der Beiwerke. 
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erlauben sollte, von dieser allgemeinen Regel abzugeben, theils 
dadurch, dass man die durch Reflexe aufgehobenen Schatten auf 
einen sehr dunklen Grund oder eben solches Feld absetzt, theils 
aber auch, indem man Schlagschatten oder zufällige Dunkel- 
seiten in einigen Theilen des Grundes willkürlich anbringt, be- 
sonders an den Rändern des Gemäldes. Zu vermeiden ist aber 
die fehlerhafte und unnatürliche Praxis, dass man den Hintergrund 
auf einer Seite ganz dunkel und auf der anderen Seite ganz licht 
macht; dies macht eine sehr schlechte Wirkung, indem die Sache 
nicht anders, als unter der Voraussetzung stattiinden kann, dass 
der Kopf gerade gegen den Winkel, in welchem beide Seiten des 
Zimmers zusammentreffen, aufgestellt ist; dies ist aber sehr 
geschmacklos, wenn man es irgend vermeiden kann 1). Ueber- 
dies klebt diese Art von Grund den Kopf gleichsam auf den 
Hintergrund, ausser bei einem Gemälde mit mehreren Figuren, 
in welchem die Andeutung dieses Winkels durch die richtige Ein- 
theilung des Zimmers oder der Architektur motivirt wird; dies 
iindet aber niemals bei dem beschrankten Grunde einer blossen 
Büste Statt, die nicht den erforderlichen Raum darbietet. 
Der Hintergrund eines blossen Brustbildes, der wenig Raum 
sehen lässt, muss nicht durch Beiwerk unterbrochen sein, z. B. 
durch Gardinen etc.; er muss durch nichts sich bemerkbar machen. 
Alles, was die Aufmerksamkeit von dem Kopfe ableitet, ist zum 
Nachtheil der Figur und trägt zum Verdienst des Gemäldes nicht 
das Geringste bei, daher man sich dessen enthalten muss. 
Wenn man den Hintergrund malt, würde eine Sitzung des 
Modells ganz unnöthig sein; man braucht nur izu prüfen, wenn 
es gegenwärtig ist," 0b das Local, in welchem man ist, einen 
vortheilhaften Grund, der eine gute Wirkung thut, darbietet. Ist 
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1) Dieser schneidende Eifect von Hell und Dunkel kann sich bisweilen 
hinter einem Kopfe in einer weitläufigen Oomposition befinden, und man hat 
Beispiele davon in Gemälden grosser Meister; allein das Auge wird dadurch 
nicht beleidigt, weil sie zwischen die Figuren und den Grund Luft und 
Zwischenraum zubringen wussten, und weil diese Art Wirkung durch Andeu- 
tung der Linien von dem Innern des Zimmers und der Architektur, die den 
Hintergrund des Gemäldes ausmacht, hinlänglich motivirt und deutlich ge- 
macht wird. 
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