Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336526
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Siebento Lection. 
Die 
Untermalung. 
kleine Portraits in Oel malt, ganz fertig, so dass man sie nach 
einer einzigen Sitzung mit nach Hause nehmen kann. Dies scheint 
ein Wunder zu sein, es ist aber die reine Wahrheit; und was 
ebenfalls unbegreiflich scheint, ist, dass der Tvlaler seine Portraits 
nicht allein beendigt, sondern auch geürnisst und mit einem Rah- 
men abliefert'). Gewiss hat er ein besonderes Verfahren, damit 
er ein Gemälde unmittelbar nach dessen Beendigung mit Firniss 
überziehen kann, was nicht geschehen könnte, wenn er sich des 
gewöhnlichen Mohnöls bediente, das ist nun sein Geheimniss, und 
er besitzt es seit mehreren Jahren. Allein das Geheimniss bei 
Seite gesetzt, bleibt es doch wahr, dass er in zwei oder längstens 
drittehalb Stunden immer ein ähnliches Portrait liefert, besonders 
von Männern, und wenn man auch in seinen Arbeiten eine grosse 
Genauigkeit und Feinheit des Tons vermisst, so sind sie doch 
geschickt und frei gemalt, und geben nicht allein eine Geschwin- 
digkeit und unbegreifliche Leichtigkeit in der Ausführung zu er- 
kennen, sondern auch ein umfassendes Talent, so dass Kenner 
öfters bedauern, dass es ihm zur Gewohnheit geworden ist, seine 
Kräfte nicht weiter auszudehnen. Indessen beschränkt er sich 
nicht auf diese Art kleiner Portraits, er macht auch öfters Com- 
positionen und Genrebilder, in welchen man eben diese Leichtig- 
keit der Ausführung mit sehr geistreicher Composition verbunden 
antrifft.  
-Ich habe diesiBeispiel angeführt, um den Anfangern eine 
Idee von der Schnelligkeit zu geben, mit Welcher einige Künstler 
arbeiten können. Ich will sie dadurch keineswegs bewegen, diesen 
Grad der Geschwindigkeit zu erstreben, die nur sehr wenigen 
Personen gegeben ist, und wobei sie sich leicht von dem besten 
Wege des Studirens entfernen könnten; allein ich rathe ihnen, 
die Mittelstrasse zu halten und sich zu bemühen, eine fleissige 
Ausführung zu erlangen, indem sie ihre Arbeit von _allen Seiten 
wohl überlegen und sich bemühen, so gut zu malen, als möglich 
ist, sowohl in Betreff der Feinheit und Wahrheit der Farben, als 
1) Die Wahrheit erfordert zu sagen, dass die geiirnissten Portraits das 
frische Colorit nicht behalten; im Lichte werden sie bald gelb und im Schatten 
sehr schwarz.
        

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