Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336489
204 
Siebzehnte 
action. 
Die 
Untermalung. 
werden, man zuvor die Form, die Kraft und die Farbe derselben 
studiren muss. Im Allgemeinen müssen die dunklen Drucker 
einen mehr warmen und farbigen Ton haben, und keinen grau- 
schwarzen und kalten; die Nasenlöcher und das Innere des Mun- 
des besonders müssen bei -der Untermalung einen blutrothen Ton 
haben, indem man. sich Vorbehalt, diesen in der Folge bei der 
Vollendung des Gemäldes zu modificiren, was sehr leicht zu 
machen, wogegen es öfters schwierig ist, solchen zu schwarzen 
und zu körperlichen Druckern Durchsic-htigkeit und eine gewisse 
blutrothe Tiefe wiederzugeben. Daran muss man sich erinnern, 
und sich nicht fürchten, bei dieser Art von Höhlungen in der 
Untermalung ein wenig, allerdings aber nicht übermassig, zu 
übertreiben 1). 
Ich kann nicht unterlassen, den Amängern noch etwas An- 
deres einzuscharfen. Sie verfallen alle in den Fehler, das Weisse 
im Auge viel zu weiss zu machen, man vergleiche diese deshalb 
aufmerksam mit den hellsten Lichtern des Fleisches, und man 
wird bald sehen, wie viel weniger hell das Weisse 2) im Auge er- 
scheint, ausser wenn sie gen Himmel gerichtet sind, und selbst in 
dieser Lage empfängt die undurchsichtige Hornhaut oder das Weisse 
im Auge nicht so viel Licht, als das Fleisch. Man sieht darin 
allerdings ein sehr lebhaftes, helles Weiss, wie an allen kugel- 
förmigen Körpern, die nass oder polirt sind; aber dieses ist blos 
zufallig, wie der Weisse Lichtblick im Auge; denn wenn man 
genau darauf Acht giebt, so ist die Weisse Localfarbe des Auges 
ihrer Natur nach entweder blaulich-weiss, oder gelblich, grünlich 
und in gewissen Fallen röthlich, allein niemals rein Weiss. Ausser- 
dem wird bei dem gewöhnlichen Blick das Weisse des Auges von 
den Augenwimpern und von der Dicke des oberen Augenlids be- 
schattet, und schon die sphärische Form des Auges macht noth- 
wendig ebenso gut Schatten, wie bei allen übrigen runden Körpern. 
 
1) Es ist dies besonders deshalb nöthig, weil eine zu schwarze Farbe in 
den Tiefen der von Natur nicht dunkel gefärbten Gegenstände, nicht wie Dun- 
kelheit und Schatten, sondern wie materielle schwarze Farbe egeheint. E. 
2) Ich verstehe unter dem Weissen des Auges die imdurc siühtige Horn- 
haut, welche den Augapfel umgiebt, und nicht das zufällige Licht, was durch 
Spiegelung des Lichtes entsteht. 
        

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