Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336472
Vollendung 
durch 
einzelne 
Piuselstriche. 
203 
Festigkeit und Bestimmtheit geben will, z. B. an der Nasenspitze, 
an den inneren Winkeln der Augen, auf den oberen Augenlidern, 
auf dem Nasenbein, in den Winkeln des Mundes u. s. w. Man 
muss diese Drucker nicht zu sehr verschmelzen, indem man sie 
zart machen will; sie würden alle Wirkung, die man sich davon 
verspricht, verlieren; sie müssen in der Malerei das sein, was die 
letzten weiss aufgesetzten Lichter in einer Zeichnung auf grauem 
Papier sind. Man muss also die Retouche mit einer Art von 
Keckheit und Freiheit auftragen, welche, ohne sie zu hart zu 
machen, ihnen von dem Charakter nichts nimmt, den sie haben 
müssen, um dem Kopfe Ausdruck und Relief zu geben. Daher 
muss man sehr wohl Acht haben, dass diese einzelnen Pinsel- 
striche übereinstimmend in Ton, Form und Proportion mit der 
Muskel- oder der Knochenparthie sind, welche man charakterisiren 
will; um dies zu erreichen, muss man die Natur oder sein Modell 
mit Aufmerksamkeit studiren, ehe man sich auf die Leinwand wagt. 
Ich habe mit den hellen Strichen den Anfang gemacht, weil 
es besser ist, den Schüler anzuhalten, lieber hell als dunkel zu 
malen, indem die Oelmalerei an und für sich die Neigung zum 
Nachdunkeln hat. Wennder Schüler die dunklen Drucker zu- 
erst und vor den hellen auftragt, so ist es wahrscheinlich, dass 
er sie zu hart machen würde. Da jetzt aber durch diese letz- 
teren das Aeusserste für einen hellen und brillanten Ton des 
Werkes geschehen ist, braucht man nicht mehr zu fürchten, dass 
er die dunklen Drucker zu kraftig andeuten werde; selbst die 
Augen des Schülers würden dadurch beleidigt werden, indem er 
selbst sehen würde, dass sie alle Harmonie zerstören. 
Man bringt die kräftigen Drucker überall an, wo das Untere 
zu schwach erscheint, und es an Charakteristik und Durchsich- 
tigkeit fehlt. Die allerwesentlichsten sind gemeiniglich in_ den 
Augen, besonders im Augapfel, in den Nasenlöchern, bei der 
Trennung der Lippen, bisweilen auch in den Winkeln des Mun- 
des u. s. w. Nicht allein die Aehnlichkeit, wenn man ein Portrait 
malt, ist hierbei massgebend, sondern auch der Grad von Kraft, 
welchen diQUntermalung bereits hat.  
Es ist überflüssig, zu wiederholen, was ich schon öfters ge- 
sagt habe, dass, ehe diese dunklen und hellen Drucker angelegt
        

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