Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336404
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Lection. 
Siebzehnte 
U ntermalung. 
Die 
blos durch die Wirkung der Schatten, der zurückweichenden 
Flachen und der Reflexe. Diese fast unzahlbare Menge verschie- 
dener Töne, welche ein feiner Colorist in der Natur zu sehen 
und zu lesen versteht, sind also nicht wirklich, sie sind blos 
scheinbar, sie werden theils durch den Schatten, theils durch die 
Halbtöne, welche zwischen Licht und Schatten mitten inne stehen, 
besonders aber durch die Wirkung des Lichtes auf den Flaum 
der Haut hervorgebracht. Dieser feine, fast unsichtbare Flaum 
der Haut ist es, welcher die Töne der Halbtöne bis in's Unend- 
liche modilicirt; er ist das unterscheidende Merkmal der Jugend 
und Frische. Daher vergleicht man auch eine schöne Haut mit 
einer schönen Pfirsiche, nicht mit einem schönen Apfel, weil der 
letztere, wenn er auch oft mit den schönsten Farben geziert ist, 
doch glatt und glänzend ist, und nicht den sammetartigen Flaum 
hat, der der Pfirsiche eigen ist. Ueberdies erscheint dieser un- 
merkliche Flaum, welchen jede schöne, mehr oder weniger blonde 
oder mehr oder weniger schwarze Haut hat, je nach den 
Haaren der Person, in einer dieser beiden Farben. Ist er schwarz, 
so bildet er in den zurückweichenden Parthieen blauliche Töne, 
besonders in den Wendungen selbst, wo er mehr zusammen- 
gedrängt scheint; ist er blond, so macht "er etwas grünliche 
Töne. Das erstere (nämlich das Schwarzblauliche) bringt einen 
violettlichen Schimmer in die Parthieen der zurückweichenden 
Flächen, wo es sich mit dem Rosa der Wangen vermischt, und 
das Blonde bildet in den nämlichen Parthieen Halbtöne, die etwas 
mehr roth  grünlich sind. Es ist fast unmöglich, alle Abände- 
rungen aufzuzählen, welche die verschiedenen Eigenthümlichkeiten 
der Localfarbe der Haut, verbunden mit den Veränderungen der 
verschiedenen Niiancen dieses sammetartigen Flaums, von dem 
die Rede ist, dem Auge des Künstlers darbieten. Ich habe mich 
daher auf die Anführung der zwei ganz entgegengesetzten Schat- 
tirungen beschrankt und überlasse die dazwischen liegenden 
Nüancen dem Auge desjenigen Beobachters, welcher Farbensinn 
und den Vorsatz hat, ein feiner Colorist zu werden. Indessen 
will ich eine Bemerkung hinzufügen: bisweilen hat eine blonde 
Person dennoch einen feinen Flaum der Haut, welcher dunkler 
ist als die Haare derselben, und umgekehrt sieht man auch Per-
        

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