Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336384
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Siebzehnte Lection. 
Die Untermalung. 
Beispiel 
für die Behandlung einer solchen 
liehen Abstufung der Töne. 
unmerk- 
Angenommen, man hatte wirklich Wange und Kinnbacken 
einer jungen, vollen Person von frischer Farbe zu malen, und 
wollte, wie gesagt, vom hellsten und lebhaftesten Ton durch eine 
unmerkliche und wahre Gradation bis zum stärksten Schatten 
gelangen, so müsste man folgendermassen verfahren. Man setze 
zunächst auf das starke Licht des Backenknochens den schönen 
Ton, Welcher auf der Palette vor dem allerhellsten steht (denn 
mit dem allerglänzendsten darf man nicht den Anfang machen, 
sondern muss ihn später gebrauchen und dazu aufsparen); diesen 
breitet man nicht über die Grenzen der Form und des Tons aus; 
hierauf setze man mit der Spitze des Pinsels auf der Palette eine 
kleine Portion von dem Ton hinzu, welcher vor diesen oben steht, 
und der in eben dieser Reihe viel dunkler ist; man vermische 
ihn mit dem ersten, und vergleiche, ob er richtig ist; je nach- 
dem er zu farbig oder zu hell erscheint, setze man zu oder 
nehme ab, bis man damit zufrieden ist; endlich setze man diesen 
Ton gleich nach dem hellsten Lichte, ohne die Form aus dem 
Auge zu lassen. Auf gleiche Art setze man einen dritten Ton 
zusammen, den man auf der Palette dem zweiten zunächst stellt, 
und zu welchem man ein etwas stärkeres Rosa hinzugesetzt hat; 
man trage es auf eben die Seite gleich daneben oder ganz um 
die zwei ersten Töne herum, nach den Gesetzen der Modellirung 
und der Form 1). Hierauf folgt ein vierter, ein fünfter Ton, immer 
etwas starker von Farbe, bis man zu der Parthie gelangt, welche 
ganz rein Rosa auf den Wangen colorirt ist 2). Hierauf setze 
man mit der Spitze des Pinsels, je nachdem man dessen bedarf, 
1) Modellirung bedeutet die Form oder das Hervorbringen der Form. 
2) Um eine frische Fleischfarbe hervorzubringen, muss man beim Unter- 
malen sich des Rosa. aus Zinnober und Weiss bedienen. Bei anderen Fleisch- 
tönen ist rother Ocker mit Weiss hinreichend, besonders bei Männern. Sollte 
die Fleischfarbe weniger lebhaft sein, so setze man das Rosa halb aus rothem 
Ocker und halb aus Zinnober zusammen, aber immer mit Weiss vermischt. Der 
chinesische Zinnober und die rothen Lacke sind zu kalt, das heisst, das Rosa 
derselben ist zu violett, besonders für die Untermalung.
        

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