Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336376
der 
Abstufung 
Töne. 
193 
scheint? Antwort: Man mache zuvor die Abstufung des Tons auf 
der Palette, aber blos mit dem Pinsel, und um recht sicher zu 
gehen, setze man zugleich auf die Palette ein wenig von dem 
letzten Ton, den man auf das Gemälde gebracht hat. Hierauf 
nehme man einen ähnlichen Ton, der aber nicht so hell ist, und 
setze diesen letzteren dicht neben den ersten, man vergleiche sie, 
und sehe ob es nöthig ist, ihn zu verändern. Findet man, dass 
er zu sehr absticht, oder dass er noch nicht hinlänglich gebrochen 
sei, so setzt man entweder von dem ersten Ton ein wenig hinzu 
und vermischt ihn mit dem letzteren (aber immer mitj dem Pinsel), 
oder, wenn er zu ähnlich erschiene und dadurch die allmälige 
Abtönung aufhörte, die zur Rundung der Parthie erforderlich ist, 
die man eben malt, so nehme man einen etwas dunkleren Ton 
aus einer der nächsten Reihen und vermische ihn mit dem zum 
Versuch aufgesetzten Fleckchen, und so weiter. Arbeitet man 
auf diese Weise mit Vorsicht und Methode, so erreicht man 
seinen Zweck, und setzt alsdann diese letztere Farbe dicht an die 
vorhergehende, ohne Zaghaftigkeit und mit sicherem Strich. Alles 
dieses lernt man nicht in einem Tage, für alle Dinge braucht 
man Erfahrung. Allein man erschrecke auch nicht zu sehr vor den 
Schwierigkeiten, welche diese Arbeit bei der blossen Beschreibung 
zu haben scheint, denn es ist geschwinder und leichter ausgeführt, 
als es sich beschreiben lässt, wenn man einmal einige Fertigkeit 
erlangt hat; man kann sogar sagen, dass man arbeitet, ohne dass 
man daran zu denken scheint, dergestalt, dass der Künstler alles 
dieses ausführt, ohne die Unterhaltung mit seinem Modell zu 
unterbrechen, und dennoch dabei alle seine Aufmerksamkeit auf 
die Erreichung des richtigen Tons verwendet, sowie auf alles das, 
was die Form, den Ausdruck, die Aehnlichkeit u. s. w. betrifft. 
Ein Anfänger muss zu sich selbst sagen: „Andere als ich haben 
diese Schwierigkeiten überwunden, ich kann und will sie also 
auch besiegen." Mit einem festen Willen und einem energischen 
und unveränderlichen Vorsatz kommt man überall zum Ziel, be- 
sonders wenn uns die Natur die nothwendige Anlage zur Malerei 
verliehen hat. 
Oehnnl
        

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