Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336365
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Lection. 
Siebzehnte. 
Die Untermalung. 
dies wird man niemals eine gewisse Reinheit des Tons erhalten, 
man wird trübe und eintönige Malereien verfertigen, die mit der 
Zeit immer schlechter werden. 
Ich weiss sehr wohl, dass dieses den Anfängern in der Aus- 
führung sehr schwer scheinen wird, und dies ist es auch wirk- 
lich, selbst für Maler von Erfahrung, indessen es giebt kein 
anderes Mittel,'um eine reine und frische Carnation zu malen, 
und man muss gewissermassen seine Töne ebenso wählen, und 
so neben einander stellen, als" wenn man in Mosaik arbeitete 1). 
Wenn man _bis auf diesen Punkt gekommen ist, alsdann zieht 
man mit einem reinen Pinsel, bisweilen auch wohl mit etwas 
Farbeivon angemessenem Ton, in wenigen Augenblicken seine 
Arbeit auf eine bewundernswürdige Art in einander, indem man 
die Farbe nur leise berührt und bestreicht, und dadurch alle 
Töne in einander schmelzen lässt und, ohne aufzudrücken, den 
Pinsel der Richtung der Haut und der Formen gemass wendet, 
nicht aber zieht man mit dem Vertreiber (Dachspinsel) alle 
Niiancen in einander, wie viele mittelmässige Künstler zu thun 
pflegen.    
Der unmassige Gebrauch des Vertreibers ist ein Fehler, den 
man mitiRecht fast allen Dilettanten zum Vorwurf machen. kann. 
Wahrscheinlich finden sie diese Manier zu verschmelzen viel 
leichter, als jene, von welcher ich eben geredet, die darin besteht, 
die Abtönungen durch den ihnen eigenthümlichen Localton viel- 
mehr abzustufen, anstatt eine in die andere zu ziehen, und ich 
werde bald noch grössere nachtheilige Folgen davon. anführen. 
Es ist wahr, vermittelst des Vertreibers erhält man eine ziem- 
lich sanfte Verschmelzung, aber allezeit auf Kosten der Reinheit 
und Wahrheit des Colorits, und was noch mehr ist, zum grössten 
 Nachtheil der Modellirung und des allgemeinen EHects 2). 
Was hat man aber zu thun, damit eine Färbung oder ein 
Ton, der neben einem anderen steht, als eine natürliche Fort- 
setzung desselben, und dem Auge nicht als abgeschnitten er- 
 
1) Man Sehe 3- 198, wie musivische Malereien behancielt werden. 
2) Und der charakteristischen Zeichnung, was besonders hervorzuheben ist. 
 E.
        

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