Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336333
Anlage der Schatten, der Localtöne. 
189 
demselben bräunlichen Ton die wichtigsten Schattenmassen an, 
ohne zu sehr in's Detail zu gehen, und zwar immer mit wenig 
Farbe, transparent, wie Aquarell. Man modificirt den Ton mit 
etwas mehr rothem Ocker, um damit einige Parthieen zu decken, 
wie z. B. die Nasenlöcher, die Linie des Mundes zwischen den 
Lippen, bisweilen auch die Ecken, sowie auch die Dicke der Augen- 
lider, mit einem Worte überall, wo das Blut durchscheint. Alles 
dieses muss frei und ohne Zittern geschehen; man halte sich 
nicht zu sehr dabei auf, die Schatten in einander zu vertreiben, 
denn dies ist nur eine erste Vorbereitung. Diese Methode, die 
Abtönung irgend einer Parthie des Fleisches anzugeben, wird von 
den besten Malern vielfach befolgt; sie giebt schon eine leichte 
Idee von der Rundung und von dem allgemeinen Eifect, derge- 
stalt, dass man weniger verlegenist zu wissen, wo man Licht 
und Halbton anbringen muss, und wie man einen ganzen Kopf 
oder irgend eine andere Fleischparthie malen und durch Abtö- 
nung abrunden soll. 
Jetzt nehme man stärkere Pinsel, fünf oder sechs, in die linke 
Hand oder vor sich. auf das kleine Brett der Eltaifelei. Einen 
dieser Pinsel fulle man mit einem der lichtesten Fleischtöne, 
welche aus gelbem Ocker, eRoth und vielem Weiss gemischt sind, 
und impastire damit breit und dick alle starken Lichter, wie wenn 
man Weiss auf  eine Zeichnung auf grauem Papier setzt. Man 
nimmt dazu nicht den weissesten von allen Tönen, aber eine von 
den hellsten Localfarben des Fleisches, die einen frischen und 
reinen Ton giebt, wenn er auch nicht so leuchtend ist, als im 
Original. Man muss auf diese Weise ein Hülfsmittel übrig be- 
halten, um später auf der Mitte eben dieser lichten Stellen mit 
einem brillanteren Ton noch Licht aufsetzen zu können. Vorher 
aber muss der ganze Kopf gedeckt und gleichsam wie beendigt 
Sein, alsdann erst kann man diese höchsten leuchtendsten Lichter 
anbringen und durch diese lebendigen, scharfer als das Uebrige 
gezeichneten Pinselstriche dem Ganzen mehr Rundung geben. 
Sogleich Anfangs mehr an grosse als kleine Pinsel gewöhnen; sie breiten die 
Falrbe viel gleichförmiger und stärker aus, als die kleinen, und überhaupt, die 
kleinen Pinsel muss man so wenig als möglich gebrauchen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.