Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1336268
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Sechszehnte Lection. 
der Palette. 
Äufsetzen 
Das 
der Schattenfarben, unter welche kein Weiss kommt, wird er sich 
erinnern, dass Nr. 2 und 3 mit mehr oder weniger Gelb heller 
gemacht sind. Nun weiss er, woraus zwei Drittel der Töne der Pa- 
lette bestehen. 
Es ist schon ein grosser Vortheil, wenn man ohne Zagen 
die Palette gebrauchen und fast mit geschlossenen Augen den 
Ton, den man haben will, ergreifen kann, Weil die Töne metho- 
disch auf einander folgen und geordnet sind. Auf Zeitersparniss 
muss man immer bedacht sein, wenigstens hier gegen jede an- 
dere Beschäftigung; denn hier handelt es sich nicht allein um die 
Frische der Palette, sondern mehr noch um möglichste Beschleu- 
nigung der Arbeit, um das lebendige Modell nicht zu sehr zu 
ermüden, (las allezeit die Sitzungen zu lang findet, wenn auch 
der Maler noch so fleissig ist. 
Ich weiss sehr wohl, dass man vortreffliche Gemälde ohne 
alle diese verschiedenen Töne und Reihen machen kann, ja sehr 
gute Künstler mischen nur sehr wenige Töne und sind ihrer 
Sache gewiss genug, mit dem Pinsel mischen zu können, was sie 
gebrauchen. Allein ich wiederhole, dass ich-nicht für Meister 
schreibe, die meine Methode entbehren können; indessen glaube 
ich doch, dass sie dieselbe nicht missbilligen werden, wenn sie 
an die Verlegenheit denken, worin sich ein Anfanger befinden 
muss, der bei seinen ersten Versuchen gar keinen Führer hat. 
Ueber 
den 
Gebrauch 
der 
oben 
beschriebenen 
Palette. 
Ich würde den Zweck, den ich mir vorgenommen, zum grossen 
Theil zu verfehlen glauben, wenn ich denen, für welche ich 
schreibe, zu sagen verabsäumen wollte, was sie mit der Palette 
thun sollen, die ich ihnen in die Hände gebe. S0 viel ich weiss, 
hat kein Autor sich bis jetzt die Mühe gegeben, über den mecha- 
nischen Theil der Kunst so umständlich zu schreiben, dass Jemand 
ohne alle Leitung, blos nach den Regeln, die man in dergleichen 
Werken ündet, die geringste Sache unternehmen könnte; alle 
wenden sich an Künstler, die in dem Elementarverfahren dieser 
schönen Kunst mehr oder weniger unterrichtet sind. Ich befolge 
also einen neuen Weg, von welchem ich hoffen darf, einer zahl- 
reichen Classe junger Leute von beiderlei Geschlecht nützlich zu
        

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