Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1335926
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Achte Lection. 
Gebleichtes Mohnöl. 
thieen, dieim stärksten Lichte sind und eine grosse Reinlichkeit des 
Tons erfordern. Um nun den Ton oder die Färbung dieser Parthieen 
abzuändern, kann man gewöhnliches Oel nicht gebrauchen, weil 
leicht Flecke entstehen, wenn man stellenweis übermalt, und docli 
ist mehr zu befürchten, wenn man zur Vermeidung dieses Uebel- 
standes unternimmt, Alles zu übermalen; das heisst, nicht allein 
die kleine Stelle, die man für fehlerhaft hält, sondern auch Alles, 
was rings herum ist, denn dadurch wird der Künstler genöthigt, 
einenganzen Kopf, einen ganzen Arm u. dgl. zu übermalen, und 
geräth dadurch oft in Gefahr, eine Sache zu verderben, mit wel- 
cher er im Ganzen zufrieden sein konnte, und dies wegen einer 
geringen, vielleicht nicht einmal wesentlichen Correctur. 
Das von nur empfohlene Mittel ist mir allezeit gelungen. 
Niemals, selbst nach mehreren Jahren, habe ich auf irgend einer 
einzeln übermalten Parthie den geringsten Fleck durchschimmern 
sehen, 0b sie sich gleich häuüg in den schönsten und lichtesten 
Parthieen des Fleisches und der Wäsche befanden. 
Man nehme einen sehr kleinen Tropfen weisses Oel und breite 
ihn sanft mit den Fingerspitzen auf der Stelle aus, die man re- 
touchiren will, so, dass auf dem Gemälde, welches sehr trocken 
sein muss, nur so wenig als möglich zurückbleibt, nur, so viel, 
als nöthig ist, um nicht trocken zu übermalen. Das Ueberflüssige 
trocknet man sanft mit einem Stückchen Seidenpapier ab, nicht 
aber mit Leinwand, die auf der beölten Parthie Fäserchen zurück- 
lassen könnte. 
Auf diese leicht geölte Vorbereitung kann man die beabsich- 
tigte Parthie iibermalen und abändern, sei es im Ton der Farbe, 
oder in der Form, und dieses wird eben so leicht geschehen 
können, als wenn die darunter befindliche Farbe noch ganz 
frisch wäre. 
Man kann seinen Farbenton ohne die geringste Schwierigkeit 
stimmen, allein man muss sich bemühen, die Farbe rings um 
die Retouehe dünner werden und sich allmalig verlieren zu 
lassen, so dass fast gar keine Farbe an den Rändern ist, wo 
die trocknen Theile des Gemäldes angrenzen. Niemals bediene 
man sich des gewöhnlichen Trockenöls, um Fleisch zu retouchiren, 
selbst in den Schatten nicht, und am allerwenigsten in den
        

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