Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1335465
102 
Lection. 
Vierte 
der 
Schlemmen 
rohen Färben. 
Auf diese Art schlemmt man die Ocker und alle Erdfarben, 
welche Unreinigkeiten oder Steine mit sich führen, aber beson- 
ders den hellgelben Nr. 4 und den hellrothen Nr. 7. 
Der dunkle Ocker Nr. 5 und der braunrothe Nr. 8 sind sel- 
ten unrein, allein. dessenungeachtet kann ihnen das Schlemmen 
nicht schaden.  
Die Terra di Siena, die Kölner und Casseler Erde, können 
sehr gut gerieben werden, ohne vorher geschlemmt zu sein. Sie 
bedürfen dessen fest niemals, man muss jedoch nachsehen, ob sie 
fremde Theile mit sich führen. 
Unsere Aufmerksamkeit beschrankt sich also nur auf diese 
geringe Anzahl Farben. Die übrigen sind gemeiniglich sehr rein, 
besonders Lack-, Zinnober- und alle blauen, sowie auch die schwar- 
zen Farben. Allein das Neapelgelb ist oft mit Unreinigkeiten 
vermischt; dies ist der geringen Sorgfalt der Verkäufer zuzu- 
schreiben. Man untersuche es genau und schlemme es, wenn es 
nöthig ist. 
Ueber die Wahl der Ocker muss ich noch ein Wort l1inzu- 
lügen, besonders wenn man sie beim Händler in rohen Stücken 
(besser ist es, als Pulver) kauft. 
Ich habe schon die Ocker von rein gelber oder rother Farbe, 
im Bruch lebhaft gefärbt, empfohlen; die, welche von schlechter 
und grauer Färbung und zu steinig erscheinen, muss man ver- 
werfen; die besten sind sanft und seifenartig anzufühlen. Die 
beiden anderen Ocker, der dunkle und braunrothe, werden nicht 
in Broden, sondern als Pulver verkauft, doch wählt man die von 
frischer und reiner Färbung.   
Es giebt einige hellgelbe Ocker, die etwas in,s Goldgelbe 
fallen. Diese wähle man zum Malen des Fleisches, für die Lüfte 
und zu allen warmen Tönen. Es giebt andere, deren Gelb in's 
Grünliche geht, diese sind für Grün und alle grünlichen Mischun- 
gen anwendbar. Wenn man aber nur eine von diesen Farben 
haben kann, so sind die goldgelben den grünlichen weit vorzu- 
ist, nicht eher mit Oel gerieben werden kann, als nachdem sie in Plätzchen 
gnt ausgetrocknet ist. Zur Aufbewahrung dient dann ein Kästchen oder noch 
besser eine zugepfropfte Flasche.
        

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