Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1335407
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Dritte Lection. 
der Farben. 
Aufbewahrung 
umwickle ich mit sehr nasser, grober Leinwand, dergestalt, dass 
aller Zutritt der äusseren Luft gehemmt ist, und so lasse ich ihn 
bis zum anderenTage im Keller auf die Erde setzen, wo ich dann 
meine Palette eben so frisch, wie den Abend vorher, wiederfinde. 
Wollte man mich eines Widerspruchs beschuldigen, weil ich die 
Nässe und das weisse Eisenblech verworfen habe, so erwiedere ich, 
dass in diesem Falle weder das eine neeh das andere die Farben 
berührt, da meine Palette sich in dem ersten hölzernen Kasten 
befindet. Ich brauche also blos den blechernen Kasten, um ihn 
ohne Nachtheil in nasse Lappen einzuhüllen, weil die Feuchtigkeit 
nicht durch das Blech dringt, mithin die äussere Luft abhält, und 
die Farben frisch bleiben. 
Die nass gemachte Leinwand (welche nur Packtuch zu sein 
braucht) muss um die blecherne Kiste rings herum gehen, und 
drei bis vier Mal über einander gewickelt sein. Den anderen Tag 
wird die blecherne Kiste abgetrocknet, nachdem man sie entblösst 
und die hölzerne Kiste mit der eingeschlossenen Palette heraus- 
genommen hat. 
Indessen muss man doch die Sparsamkeit mit der Farbe und 
der Zeit nicht zu weit treiben. Es giebt einen gewissen Punkt, 
wo die Farben, wenn sie sich nicht mehr gut verarbeiten lassen, 
schlecht zur Arbeit sind, so dass zu ihrer Behandlung mehr Zeit 
erforderlich ist, als zur Anfertigung einer neuen Palette. Das 
Abschaben und Reinigen einer Palette darf Niemandem zu viel 
Kummer machen. Für die Aufbewahrung der Farben sind im 
Sommer anderthalb oder längstens zwei Tage der ausserste Ter- 
min, und drei bis vier Tage im Winter, mit der Voraussetzung, 
dass die eben jetzt beschriebene Vorsicht angewandt worden ist. 
Uebrigens giebt es einige reine Hauptfarben, welche sich langer 
frisch erhalten können, als andere; dergleichen sind die schwarzen, 
die dunkelbraunen, die Lacke und das Ultramarin. Ob sie noch 
in gutem Zustande sind, um sie für die neue Palette aufzuheben 
und überzutragen, muss man selbst beurtheilen. Auch die Zinno- 
ber trocknen sehr langsam, allein wenn die Häuflein von dieser 
Farbe nicht sehr beträchtlich sind, und nur eine sehr kleine Quan- 
tität davon übrig bleibt, so nehme man sie ganz ab, und mache 
eine ganz neue Palette. Nur das reine Ultramarin, das nicht
        

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